Montag, 2. Dezember 2019

Heimnachrichten 2019


Kinder- und Jugendförderwerk ist pleite
Vom Chemnitzer Amtsgericht ist ein Insolvenzverfahren gegen das Kinder- und Jugendförderwerk Meerane eröffnet worden. In der Woche vor Weihnachten wurde ein Anwalt aus Chemnitz als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Aus dessen Kanzlei hieß es, das Verfahren befinde sich noch ganz am Anfang. Konkrete Auskünfte zu Schulden und zur Anzahl der Gläubiger konnten noch nicht erteilt werden.
Das Kinder- und Jugendförderwerk, ein gemeinnütziger Verein, war Träger des Meeraner Kinderheims. Dem Jugendamt des Landkreises Zwickau war die bevorstehende Insolvenz des Vereins bekannt. "Aus diesem Grund sind die Mädchen und Jungen des Meeraner Kinderheims anderweitig untergebracht worden", hieß es seitens des Landkreises. Wohin die Kinder aus dem Meeraner Heim verteilt wurden, teilte das Amt nicht mit.
Freie Presse, 4. Januar 2019

72 Millionen für Heimkinder aus Berlin
Die Senatsverwaltung für Jugend hat am Mittwoch eine Bilanz zu den am 31. Dezember geschlossenen Entschädigungsfonds für frühere Heimkinder vorgelegt. Insgesamt 72 Millionen Euro sind demnach  an mehr als 5700 ehemalige Berliner Heimkinder geflossen, die fragwürdige Erziehungsmethoden, Zwang und Gewalt erlitten haben und  in der DDR auch  in gefängnisähnlichen Einrichtungen eingesperrt waren. Im Schnitt wurden pro Person 9800 Euro für materielle Hilfen und 7000 Euro für Rentenersatzleistungen bezahlt. Die Antragsfristen für Fondsleistungen endeten 2014.
Tagesspiegel, 9. Januar 2019

Kinder aus Husum klagen an

Der frühere Leiter einer Einrichtung in Husum soll schwerste Misshandlungen verübt haben – über seinen Anwalt lässt er alle Vorwürfe bestreiten.

Husumer Nachrichten, 13. Februar 2019

Kindesmissbrauch: Prozess in Kitzingen

Der heute 28-Jährige war von Herbst 2003 bis Mitte 2012 in dem Kinderheim. Dass er es erst mit 22 Jahren verließ, deutet die Problematik zumindest an. Im Sommer 2010 wurde ein Kind sein Zimmernachbar, mit dem es bald schon zu sexuellen Handlungen kam. Es begann mit dem gegenseitigen Zeigen des Penis. Als das Kind zehn Jahre alt war, fand erstmals Oralverkehr statt. Das wiederholte sich bis zum Auszug des 22-Jährigen noch dreimal.

Main-Post, 3. März 2019

Das Unglück am Schwanenstein

Heute erinnert eine Tafel am Uferweg Lohme nahe des Schwanensteins an das Unglück im Jahre 1956. Auf dem Friedhof in Nipmerow gibt es auf Initiative des Kinderheims Lohme seit 1995 einen Grabstein für die drei Jungen im Eis. Uwe Wassilowsky wurde 14, Manfred Prewitz 13 und Helmut Petersen gerade einmal 10 Jahre alt.

NDR, 17. März 2019

Autoritäres Weltbild

Roland Stäb sitzt an einem Tisch mit grüner Decke in seinem Haus in Neckargröningen. Seit einem Jahr hat der 65-Jährige die Leitung des Jugendamtes im Kreis abgegeben. Die Berichte ehemaliger Heimkinder über Misshandlungen, Gewalt und Lieblosigkeit in dem 1992 geschlossenen Hohenecker Heim St. Josef hat er mit Erschrecken gelesen. Das autoritäre Weltbild, das Regelkorsett und die Züchtigung als Mittel der Erziehung widerspricht so ziemlich allem, was Stäb in seinem Studium gelernt hat.


Stuttgarter Zeitung, 7. April 2019

Jahrzehntelang seelische Grausamkeit

Ehemalige Heimkinder eines früheren Kinderheims in Ludwigsburg-Hoheneck haben bestätigt, dass sie jahrzehntelang ständiger Gewalt und seelischer Grausamkeit ausgesetzt worden sind.

SWR, 15. Mai 2019

Skulptur auf Müll gelandet
Es ist eine wundersame Geschichte, traurig, aber doch mit einem glücklichen Ende...
Ohne, dass es die meisten Kölner mitbekommen konnten: Seit 1968 existierte in Köln eine Skulptur der berühmten Bremer Stadtmusikanten. Das zirka 1,5 Meter hohe Bronzewerk des Bildhauers Fritz Bernuth (1904-1979) wurde damals im Innengelände des Kinderheims in Sülz aufgestellt. Als Symbol für soziales Verhalten gemäß dem Spruch „Einigkeit macht stark“.

Kölner Express, 21. Mai 2019

Hunde besuchen Heimkinder
Seit drei Jahren besucht das Team mit seinen Hunden einmal wöchentlich das Kinderheim in Aschaffenburg und macht damit den Kleinen eine ganz große Freude. Sie wollen den Kindern den artgerechten Umgang mit Hunden vermitteln und ihnen einfach eine schöne Zeit mit den Tieren schenken. Jeden Donnerstag haben die Kinder etwa zwei Stunden Zeit, mit den Vierbeinern zu spielen, zu kuscheln und ihnen Tricks beizubringen.
Primavera, 1. Juni 2019

Kinderheim der Zukunft

Moderne Kinderheime sind heutzutage Wohngruppen, die pädagogisch betreut werden. Im Marianum gehen die Verantwortlichen einen Schritt weiter. „Es wird nun eine derartige Gruppe mit fünf Jungen ab 16 Jahren zukunftsweisend umgestellt“, erklärt Geschäftsführer Harald Dahlke. „Sie erfahren in eigenen Appartements die letzten Schritte in die Selbstständigkeit, erhalten auch keine Über-Nacht-Betreuung mehr. Sie leben wie in der eigenen Wohnung.“ Dies trage zur sogenannten Verselbstständigung bei. Bei Mädchen gebe es dies schon länger, sagt Dahlke.

Westdeutsche Zeitung, 15. Juli 2019

Tolles Projekt für Heimkinder

Gardelegen/Zichtau l 60.000 Kinder leben deutschlandweit in Kinderheimen. Eine Zahl, die Heike Krieg betroffen macht. Sie selbst hat einen erwachsenen Sohn und lebt in einer Patchworkfamilie. Sie hat früher in einer Kita gearbeitet. „Kinder und soziale Projekte, da springe ich sofort auf“, erzählt die 51-Jährige im Volksstimme-Gespräch. Und sie springt offenbar nicht nur auf, sondern packt dann auch tatkräftig zu. Denn sie hat in privater Regie ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt, das in diesem Jahr zum nunmehr sechsten Mal stattfinden wird und das im Laufe der Jahre immer mehr gewachsen ist. Unter dem Motto „Lieber gemeinsam als einsam“ bewirtet und beschenkt sie am Heiligen Abend Kinder aus Kinderheimen. Richtig mit Weihnachtsmann und Weihnachtselfe – „wie zu Hause eben“, sagt Heike Krieg mit einem strahlenden Lächeln. Die Geschenke werden gesponsert. Sie hat bereits einen Helferstamm, der sie unterstützt. Aber weitere Helfer sind natürlich immer willkommen.

Volksstimme, 21. Juli 2019

Kinderheim wird erpresst

Großenhain. Gegenwärtig sind wieder verstärkt Erpresser-E-Mails im Umlauf. Eine davon hat jetzt das Kinderheim Walda erreicht. Darin wurde es aufgefordert, 2000 Euro in der Online-Währung Bitcoins zu bezahlen. Die Betrüger drohen damit, pornografische Fotos zu veröffentlichen. Bei einer Einrichtung wie dem Kinderheim schwebt sofort der Verdacht der Kinderpornografie mit. Deshalb stellt der Dresdner Polizeisprecher Marko Laske von vornherein klar: „Das Kinderheim Walda ist ohne Fehl und Tadel. Diese Erpressung ist an den Haaren herbeigezogen.“

Sächsische Zeitung, 12. August 2019 


Misshandlungen im Namen von Wildfang?

Ein deutsches Sozialprogramm steht unter Verdacht, über Jahre Kinder und Jugendliche misshandelt zu haben. Rumänische Behörden ermitteln derzeit gegen acht Verdächtige des Projekts „Maramures“ in der gleichnamigen Region in Rumänien. Das Projekt, das an die niedersächsische Kinder- und Jugendhilfe „Wildfang“ angeschlossen ist, soll sozial auffällige Kinder und Jugendliche „rehabilitieren“. Vor allem junge Menschen landen dort, für die die meisten Möglichkeiten innerhalb Deutschlands bereits ausgeschöpft sind.

Einer von ihnen ist Tim K. (Name geändert). Der heute 21-Jährige verbrachte ab 2013 fast zwei Jahre in dem Projekt in Rumänien. Als er am Mittwochmorgen von den Anschuldigungen las, war er erleichtert. „Mir fiel ein Stein vom Herzen“, sagt er. „Nie wollte mir jemand glauben, wenn ich erzählte, was ich dort erlebt habe.“

Focus, 30. August 2019

Alles nur frei erfunden?

Deutsche Jugendliche sollen in einem rumänischen Kinderheim misshandelt worden sein. Doch mehr und mehr geraten die Vorwürfe ins Wanken. War am Ende alles erfunden? HAZ-Reporterin Jutta Rinas durfte als eine von ganz wenigen Journalisten hinein – und traf auf eine Welt, in der in Frage steht: Wer ist eigentlich Täter und wer ist Opfer?

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 25. September 2019

Isolation und Schikane
Die Heimaufsicht des Brandenburger Jugendministeriums hat die Kinder- und Jugendeinrichtung „Neustart“ in Jänschwalde (Spree-Neiße) am Mittwoch, 25. September, besucht. Unangekündigt, wie es in einer Mitteilung aus Potsdam ausdrücklich heißt.

Ehemalige Bewohner berichten von Isolation und Schikane.

Lausitzer Rundschau, 25. September 2019

Behinderte eingesperrt?
Polizei-Großeinsatz in der Behinderteneinrichtung „Wittekindshof“. 70 Beamte in Zivil reisten im Bus an, durchsuchten Zimmer in der Diakonischen Stiftung. Schlimmer Verdacht: Freiheitsberaubung von Schutzbefohlenen in der „Heilpädagogischen Intensivbetreuung“!

Staatsanwalt Christopher York (39) zu BILD: „Wir gehen einem Anfangsverdacht in mehreren Fällen nach. Die Durchsuchung sollte aktuelle Zustände dokumentieren.“ Ermittler beschlagnahmten Heim-Akten.
Bild, 4. Oktober 2019

Viele Sichtweisen
Es gehört zu den Besonderheiten des Maramures-Falls, dass es extrem verschiedene Sichtweisen gibt. Viele der Kinder, die nicht mit ihrem echten Namen zitiert werden sollen, wollen bleiben. Da ist Andi (14), der auf der Straße gelebt hatte. Drogen habe er genommen, „allgemein alles, Crystal Meth“. Er macht ein Praktikum in der Reifenwerkstatt in Viseu de Sus. „Ich mag diese Arbeit, was mit Autos halt“, sagt er. Was ist in Rumänien besser als in Deutschland? In Deutschland sei er in die Gummizelle gepackt worden, wenn er Probleme gehabt habe. „Hier kann ich reden.“
Frankfurter Rundschau, 6. Oktober 2019
Auslandsprojekte umstritten

Auslandsprojekte für besonders aggressive oder straffällige Jugendliche geraten immer wieder in die Kritik. Zuletzt machte "Maramures", ein Jugendprojekt des niedersächsischen Trägers Wildfang GmbH in Rumänien, Schlagzeilen: Der deutsche Leiter des Heims und mehrere Mitarbeiter wurden festgenommen. Die Vorwürfe: Sklaverei, Gewalt und Menschenhandel. Die rumänische Staatsanwaltschaft holte mehrere Jugendliche aus dem Projekt und nahm sie in ihre Obhut. Zwei Jugendliche sind offenbar noch immer dort. Einer kommt aus dem Landkreis Aurich. Wie das Sozialministerium jetzt mitteilte, soll er bald zurück nach Deutschland kommen. Die 54 Jugendämter in Niedersachsen sind beim Thema Auslandsprojekte gespalten: 30 Jugendämter bewerten die Projekte für einzelne schwierige Kinder und Jugendliche als sinnvoll. Jedes dritte Jugendamt lehnt es dagegen ab, Jugendliche im Rahmen der Intensivpädagogik ins Ausland zu schicken.

NDR, 13. Oktober 2019

Mahnung für die Zukunft

Mehr als 500 Seiten umfasst die Studie „Verantwortung und Aufarbeitung“ – für jedermann einsehbar auf www.caritas-linz.at. Sie beleuchtet die Vergangenheit von Caritas-Heimen in OÖ, das Kapitel Gleink zählt 190 Seiten. 2016 gab die Caritas OÖ einem unabhängigen Forscherteam den Auftrag, die Geschichte und Hintergründe der Gewalt in ihren Heimen aufzuarbeiten. „Wir wollen uns damit unserer Verantwortung stellen. Die Studie soll uns Mahnung für die Zukunft sein“, so Direktor Franz Kehrer.

total.regional, 5. November 2019

Keine Gewalt in Kinderheim

Dann reden wir lange. Sehr offen und freundlich und vor allem sehr genau erinnert sich die 79jährige an ihre Zeit als Erzieherin. Was heutzutage über die Kinderheime erzählt wird, versteht sie nicht. Aus eigenem Erleben weiß sie: Es stimmt nicht. »Schlagen und Quälen – also unsere Kinder nicht«, sagt sie. »Das werden sie von unseren Kindern nicht hören.« Ich frage nach. »Bei uns nicht. Dafür lege ich die Hand ins Feuer.« Auch in ihrem gesamten beruflichen Umkreis »hat es nicht stattgefunden«.

Junge Welt, 9. November 2019

Kinder schlafen in einer Zelle

Es gab jedoch auch Kinderheime in alten Kasernen, und in Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) befand sich in den Jahren 1968 bis 1987 ein Durchgangsheim in einem alten Gefängnis, das für seine neue Bestimmung nicht umgebaut wurde. Die Kinder und Jugendlichen schliefen jeweils zu viert in einer Zelle, die sich von innen nicht öffnen ließ. Um nachts die Notdurft verrichten zu können, stand ein Kübel im Raum. Die kleinen Fenster blieben vergittert. Durch eine Mauer war das Areal abgeschottet. Eigentlich sollten die Kinder maximal 18 Tage hier bleiben, bis ein Heimplatz für sie gefunden war. Doch die Plätze waren knapp.

Neues Deutschland, 15. November 2019

Das Leid der "Verschickungskinder"

Westerland - Ärzte verschrieben die Kuren bis in die 80er Jahre hinein. Kranken- und Rentenkassen finanzierten die sechs- bis achtwöchigen Kuraufenthalte der „Verschickungskinder“, wie sie auch in den Akten genannt wurden. Während dieser Zeit waren die Zwei- bis 14-Jährigen der Willkür von Kurärzten, Pflegerinnen und Schwestern ausgeliefert. Das belegen die Berichte, die Betroffene seit zwei Monaten im Internet auf Initiative der Sonderpädagogikdozentin und Publizistin Anja Röhl auf der Internetseite www.verschickungsheime.de öffentlich machen. Elternbesuche waren in den Heimen nicht erlaubt. Eine Kontrolle fand offenbar nicht statt. Die Betroffenen berichten von Demütigungen und Erniedrigungen.

Stuttgarter Zeitung, 24. November 2019

"Jugendamt keine Hilfe"

Fast jedes zweite Wochenende kommt Jenny aus dem Kinderheim in der Großstadt nach Hause in ihre Pflegefamilie in einem Marktflecken in Bayern. Schweren Herzens haben sich Pflegemutter Marina Wolf (alle Namen von Kindern und Pflegeeltern geändert) und ihr Mann von der Pflegetochter getrennt. Mehrere Probleme in der Familie waren ihnen über den Kopf gewachsen, räumt die Mutter ein. "Wenn ich gewusst hätte, was alles auf uns zukommt", seufzt sie am Telefon. Und sie fügt hinzu, das Jugendamt sei ihr keine Hilfe gewesen.

Sonntagsblatt, 2. Dezember 2019

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