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Samstag, 9. September 2023

Heimnachrichten (2023)

Und was macht Serdar Saris?

"Laute Misstöne deuten jetzt an: Das Ordnungsdezernat der Stadt (Hannover) hat die ausgeschlossen, um die es geht. Und die, die sonst für sie da sind." Schreiben Sie und meinen Obdachlose und Rauschgiftsüchtige, für die es einen neuen Treffpunkt geben soll einerseits und u. a. die Step gGmbH Hannover mit Serdar Saris an der Spitze andererseits, den Sie als Step-Chef mit diesen Worten zitieren: "Die Stadt hatte sich für einen halbjährigen Planungsprozess unter strikter Geheimhaltung entschieden, unter Ausschluss der Hilfeträger, das muss man akzeptieren. Gut ist das aber nicht."

Step gGmbH Hannover, 3. April 2023

Mord im Kinderheim?

Ein Mädchen wurde am Dienstag tot in einer Kinderhilfe-Einrichtung in Wunsiedel gefunden. Viele Fragen sind noch offen. Angestellte hatten die Zehnjährige am Dienstag in einem Zimmer der Einrichtung leblos gefunden, ein Notarztteam konnte nur noch den Tod feststellen. Eine Obduktion des Leichnams ergab nach ersten Erkenntnissen Anzeichen für ein Fremdverschulden, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Das Mädchen war laut Polizei in der Einrichtung betreut worden.

msn, 6. April 2023

Täter 10 Jahre alt


Nach dem Tod einer Zehnjährigen in einer oberfränkischen Kinderhilfe-Einrichtung in Wunsiedel in Oberfranken (Bayern) geht die Polizei nach Spurenfunden davon aus, dass ein elfjähriger Junge an der Tat beteiligt war.

Dies teilte die Polizei am Karfreitag in Wunsiedel mit. Da der Junge nicht strafmündig sei, sei er präventiv in einer gesicherten Einrichtung untergebracht worden. Eine Anhörung des Elfjährigen stand nach Polizeiangaben vom Freitag noch aus. Die weiteren Maßnahmen würden in enger Abstimmung mit den Jugendbehörden erfolgen.

Der Westen, 7. April 2023

Tödliche Fehlentscheidung?

Es ist ein Fall, der immer mehr Kopfschütteln verursacht: Am 4. April wurde Lena in einem Kinderheim getötet. Dort sollte sie aber eigentlich gar nicht sein, sondern auf einem Kreuzfahrtschiff mit ihrem Vater. Alles war genehmigt und gebucht. Dann machte das Jugendamt einen Rückzieher. Warum, weiß Lenas Vater nicht. Aber das itsat nur eine von vielen ungeklärten Fragen.

RTL, 6. Juni 2023

Systematische Vertuschung

Für mich war 2010 ein Jahr der Befreiung: Nach drei Jahrzehnten des Schweigens begann ich über die sexuelle Gewalt zu sprechen, die ich als Kind in einer katholischen Schule des Jesuitenordens erlebt hatte. Und ich war nicht allein. Hunderte Männer und Frauen berichteten von dem, was ihnen von Priestern in der Kindheit angetan worden war. w sie erkannten das Verbrechen hinter den Verbrechen: die systematische Vertuschung.

Zeit online, 21. Juni 2023

Zwangsernährung und sexueller Missbrauch

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Kinder bis weit in die Sechzigerjahre hinein von ihren Familien zur Erholung in Kinderheime geschickt. Frische Luft, Körperertüchtigung und Gewichtszunahme sollten das Ergebnis der so genannten "Verschickungen" sein, die bis zu sechs Wochen währten. Doch der Heimaufenthalt wurde häufig zur körperlichen wie psychischen Plage, wie die Autorin Lena Gilhaus an Weihnachten 2016 erstmals vom eigenen Vater erfuhr. "ARD History: Verschickungskinder - Missbrauch und Gewalt bei Kinderkuren" erzählt nun von dieser bislang kaum beleuchteten Nachkriegsgeschichte.

Lena Gilhaus begann zu recherchieren, sie ging den Erlebnissen ihres Vaters nach und brachte ein Buch heraus, nach dessen Veröffentlichung sich zahlreiche Betroffene meldeten. Über 15 Millionen Kinder sollen es gewesen sein, die nach 1945 in Heime verschickt wurden und dort nicht selten Qualen erlitten. Die Gewalt reichte von der Zwangsernährung bis hin zu schwerem sexuellem Missbrauch.

Weserkurier, 30. Juni 2023

Auch Babys in Kinderheimen

In Kinderheimen leben nicht nur Jugendliche. In den letzten Jahren kamen auch viele kleine Kinder dort an, zwei, vier, fünf Jahre alt, auch Babys. Mal nur für wenige Tage, mal für Wochen, manchmal für Jahre.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. August 2023

Von Müllmann vergewaltigt-von einem Heimkind ermordet

Die Ermittlungen im Fall des getöteten Mädchens im Kinder- und Jugendhilfezentrum Wunsiedel sind abgeschlossen. Der 25 Jahre alte Müllfahrer soll das Kind vergewaltigt haben.

Frankenpost, 5. September 2023

Dienstag, 20. Dezember 2022

Heimnachrichten 2022

Vom Ende der Kindheit

Das Kloster Ramsau bei Haag im oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn liegt malerisch auf einem Hügel am Waldrand, oberhalb von Ramsau- Reichertsheim. Aber die Idylle trügt. Die Klostermauern bergen ein dunkles Geheimnis. Seit über 40 Jahren kommen die heute 64-jährige Renate und ihr 68-jähriger Bruder Manfred erstmals wieder an den Ort, der wie kein anderer ihr Leben prägte. Die Geschwister verbrachten hier im Heim der Franziskanerinnen ihre Kindheit und erlebten Gewalt und sexuelle Übergriffe.Das Kloster Ramsau bei Haag im oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn liegt malerisch auf einem Hügel am Waldrand, oberhalb von Ramsau- Reichertsheim. Aber die Idylle trügt. Die Klostermauern bergen ein dunkles Geheimnis. Seit über 40 Jahren kommen die heute 64-jährige Renate und ihr 68-jähriger Bruder Manfred erstmals wieder an den Ort, der wie kein anderer ihr Leben prägte. Die Geschwister verbrachten hier im Heim der Franziskanerinnen ihre Kindheit und erlebten Gewalt und sexuelle Übergriffe.

Bayerischer Rundfunk, 25. Januar 2022

Was geschah in Sankt Peter-Ording?

Was Kinder in den 1950er bis 1980er Jahren in den Kurheimen in St. Peter-Ording alles erdulden mussten, das untersuchen jetzt Wissenschaftler aus Kiel – im Auftrag der Gemeinde.

Husumer Nachrichten, 17. März 2022

Heimkind auf Tik Tok

Wie ist es, wenn ein neues Kind in das Heim kommt? Was passiert, wenn man ein schlechte Note mitbringt? Wie läuft der Tag ab, wenn man mal frei hat? - All das erklärt der Schüler in seinen Videos. Michael zeigt auf TikTok nicht nur seinen Alltag im Kinderheim, er antwortet auch auf solche Fragen seiner Community.

Den größten Unterschied im Vergleich zu anderen Jugendlichen sieht er darin, dass er weniger Freizeit hat. "Ich komme nach Hause und muss putzen, kochen, einkaufen (...) und währenddessen noch eine Wohnung suchen. Und die anderen kommen nach Hause und können sich um die Schule kümmern und haben sehr viel Zeit, vielleicht noch für ein Sportverein."

WDR, 4. Mai 2022

Leichen in Senkgrube

Ein ganz normaler Arbeitstag – so beschreibt Peter Steinbach, ehemaliger Zögling im Erziehungsheim in Eggenburg den 20. März 1970. Ganz normal, bis „plötzlich alle von den Werkstätten abgeholt und in die Zimmer gebracht wurden.“ Die Kinder werden informiert, „dass in der Senkgrube ein Toter gefunden wurde“ – in der zum Heim gehörenden Landwirtschaft.

ORF, 17. Juni 2022

NDR verpasst Journalisten Maulkörbe

Es ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte von Schleswig-Holstein: In den 1950er-Jahren schickten viele Eltern ihre Kinder ans Meer, hier sollten sie in Heimen "aufgepäppelt" werden. Stattdessen kehrten sie verängstigt oder gar traumatisiert aus der Kur zurück. Noch heute durchleben die Betroffenen schlaflose Nächte: Dann kommen die Bilder wieder hoch – die Tasse Salzwasser zum Frühstück, die Ohrfeigen, der Strafappell, das stundenlange Sitzen vor einem Teller Milchreis, ganz allein in der Kantine.

stern, 31. August 2022

Jugendamtsleiterin glaubt Heimkindern

„Ich habe keine Zweifel, dass den Heimkindern Leid widerfahren ist, und glaube den Schilderungen hier drin vorbehaltlos“, sagt Anja Beckmann, die Leiterin des Ludwigsburger Jugendamtes. Vor ihr liegt ein dicker Stapel Papier, es ist der Endbericht der Aufarbeitungsstudie zum St. Josefsheim in Hoheneck, der im Juli veröffentlicht wurde. Ein Kapitel in dem Bericht, in dem von emotionaler Kälte, Vernachlässigung, Gewalt und sexuellem Missbrauch vor allem in den 1970er Jahren in dem ehemaligen Kinderheim die Rede ist, ist auch der öffentlichen Jugendhilfe gewidmet. 

Ludwigsburger Kreiszeitung, 14. September 2022 

Hühnerei in der Hosentasche

An viel erinnert sie sich nicht, aber ein Bild ist noch immer ganz klar: Sie sitzt an einem Tisch, vermutlich allein neben einer Säule, und versucht ein Hühnerei in ihre Hosentasche zu stecken. Es ist noch ganz. Damals, 1975, ist Claudia Terpe vier Jahre alt. Der fischige Geruch - Hühner wurden damals häufig mit Fischmehl gefüttert - verursacht ihr Übelkeit. Essen möchte sie das Ei auf keinen Fall, das darf aber niemand erfahren, das Ei muss also verschwinden.

Terpe ist damals in einem Verschickungsheim in Gohrisch in der Sächsischen Schweiz. Mit vier und mit acht Jahren wurde sie jeweils für sechs Wochen von ihrem Zuhause in Berlin-Lichtenberg zur Kur in ein DDR-Kinderkurheim geschickt, ohne ihre Eltern.

rbb24, 9. Oktober 2022

Junge bekommt mit 14 Brüste

Yannik lebt in einem Augsburger Kinderheim, als sich sein Körper verändert. Immer deutlicher treten die Brustwarzen hervor, schließlich wachsen dem 14-Jährigen Brüste - so wie bei den Mädchen um ihn herum. Yannik schämt sich. Manchmal zieht er mehrere T-Shirts übereinander an, um die Brüste zu verdecken.

Bevor die Brüste zu wachsen beginnen, bekommt Yannik Olanzapin und Risperidon verordnet, beides sedierende Antipsychotika. Dann kommen die Sommerferien. Seine Wohngruppe macht einen Ausflug in ein Erlebnisbad. Doch Yannik will seinen nackten Oberkörper nicht zeigen. "

Bayerischer Rundfunk, 19. Oktober 2022

Vom Jugendamt nicht für voll genommen

"Ich musste jedes halbe Jahr zum Hilfeplan-Gespräch. Wenn ich mich da beschwert habe, dass etwas in der Wohngruppe nicht so gut läuft, wurde ich als die Böse dargestellt", erinnerte sich die 28-Jährige in einem Interview mit Bild. Man habe ihr damals vorgeworfen, sie würde sich alles nur ausdenken, um Aufmerksamkeit zu bekommen. "Mich hat nie jemand für voll genommen. Meine Probleme waren denen nicht wichtig genug", klagte das Model.

Promiflash, 18. Dezember 2022

Montag, 27. Dezember 2021

Heimnachrichten 2021

Kinder werden diszipliniert

Zwischen 1954 und 1973 habe es geradezu einen „Boom stärkster Verschickungstätigkeit“ gegeben. Weit über 1 000 Heime soll es allein in Westdeutschland gegeben haben, in die Kinder, zumeist zwischen drei und elf Jahren alt, für sechs Wochen „verschickt“ wurden. Die „Verschickung“ knüpfte offenbar an die NS-Kinderlandverschickung an. Es gab, nicht überraschend, eine Vielzahl personeller Kontinuitäten sowohl bei den Propagandisten der Verschickungen, meist Ärztinen und Ärzte, wie auch bei den betreuenden Schwestern und „Tanten“ in den Heimen. Übernommen wurden auch, folgt man Röhl, ungebrochen deren auf eine Disziplinierung der Kinder abzielende Erziehungsmethoden.

Ärzteblatt, März-Ausgabe

Massengrab auf ehemaligem Heimgrundstück

 Wie der britische Sender BBC berichtet, wurde das Massengrab bei Radar-Untersuchungen gefunden. Es besteht die Vermutung, dass es sich um indigene Kinder handelt. Das katholische Internat war 1890 eröffnet worden. Es war eines von zahlreichen Umerziehungsheimen für indigene Kinder in Kanada. 1969 übernahmen staatliche Behörden die Leitung, 1978 wurde das Heim geschlossen.

Kanadas Premierminister Trudeau erklärte, die Nachricht breche sein Herz. Er sprach von einer schmerzhaften Erinnerung an ein dunkles und beschämendes Kapitel der Geschichte Kanadas.

Deutschlandfunk, 29. Mai 2021

Keine Hinweise auf Missbrauch

Die Erlöserschwestern in Würzburg haben bisher nach eigenen Aussagen keine Hinweise auf einen rituellen Missbrauch durch Priester in einem Kinderheim. Noch lebende Ordensfrauen könnten den Vorwurf nicht nachvollziehen, erklärte der Orden am Donnerstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Zudem hätten sich zwei ehemalige Heimkinder gemeldet. "Die beiden ehemaligen Heimkinder widersprechen sogar vehement den gemachten Aussagen zum mutmaßlichen rituellen Missbrauch in der Kapelle." Dies ergebe sich etwa auch aus der Rekonstruktion baulicher Gegebenheiten.

Katholisch, 23. Juli 2021


Gewalt in zwei katholischen Kinderheimen

Die Projektgruppe zur Aufklärung von Gewalt in zwei kirchlichen Kinderheimen im Bistum Augsburg hat ihren Schlussbericht vorgelegt. Es geht um das Josefsheim Reitenbuch und das Marienheim Baschenegg im Landkreis Augsburg, beide in Trägerschaft des katholischen Vereins Christliche Kinder- und Jugendhilfe.

Zwischen 1950 und 2004 hätten dort unter anderen Geistliche und Schwestern des Ordens der Dillinger Franziskanerinnen Taten verübt, teilte die Projektgruppe am Donnerstag in Augsburg mit. Es habe sexualisierte, körperliche und seelische Gewalt gegeben. Die genaue Opferzahl sei unklar, mindestens seien 15 Buben und vier Mädchen betroffen gewesen.

Domradio, 9. September 2021

Endlich eine Antwort

Es geht um die Step gGmbH Hannover und um die Therapeutische Gemeinschaft Wilschenbruch, die 2012 an die Step gGmbH verschenkt und 2014 geschlossen worden ist. Will der Oberbürgermeister von Hannover nun mehr wissen?

Wordpress, 29. November 2021

In Psychiatrie weggesperrt

"Mir stehen die Tränen in den Augen, man rührt ja alles hoch … Gut geht es einem nicht dabei", sagt Beate Runge. Sie blieb ihre gesamte Kindheit und Jugend in der Psychiatrie weggesperrt, war in der DDR abgeschrieben, als "nicht entwicklungsfähig" eingestuft worden. Dennoch hat sie sich bereit erklärt, für den Film ihres Bruders Peter Wawerzinek und des Regisseurs Steffen Sebastian an den Ort ihrer Kindheit zurückzukehren, das Krankenhaus Stralsund West. Bei der Premiere von "Lievallen" auf dem Filmkunstfest Schwerin 2019 hat sie öffentlich über ihre Vergangenheit gesprochen. Das hat Überwindung gekostet.

NDR, 30. November 2021

Das Geschäft mit den Heim- und Pflegekindern

„Kinder in Deutschland landen häufiger bei Pflegeeltern oder im Heim. Wurden
2005 knapp 26.000 Minderjährige von den Jugendämtern in ihre Obhut
genommen, lag diese Zahl 2014 schon bei mehr als 48.000. Dabei gibt es frappierende Unterschiede zwischen den Bundesländern, stellt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fest, die der „Welt“ vorliegt.“

Stadtspiegel, 24. Dezember 2021

Donnerstag, 12. November 2020

Heimnachrichten (2020)

Kinderheime in Rumänien nicht gut fürs Gehirn

Ein Forscherteam hat Erwachsene untersucht, die als Kinder in rumänischen Kinderheimen untergebracht waren. Durch die starke Vernachlässigung seien die Gehirne kleiner als bei Vergleichspersonen, so die Psychologin und Studien-Mitautorin Nuria Mackes im Dlf. Auch der IQ sei im Durchschnitt geringer.

Deutschlandfunk, 9. Januar 2020

Kinderheim Reitenbuch: Licht ins Dunkel bringen
Es geht um Prügelattacken und sexuellen Missbrauch: Das Bistum Augsburg möchte die Vorfälle im Kinderheim Reitenbuch aufklären, wo es vor mehreren Jahrzehnten zu Übergriffen auf Kinder gekommen sei. Jetzt werden weitere mögliche Opfer gesucht. Alle Hinweise würden vertraulich behandelt. "Wir wollen Licht ins Dunkel bringen", so Elisabeth Mette, die frühere Präsidentin des Bayerischen Landessozialgerichts. "wir wenden uns an alle, die bisher geschwiegen haben oder nicht ausreichend gehört wurden". Sie zieht dabei eine Parallele zu den Vorfällen im Kinderheim Hl. Kreuz/Cassianeum in Donauwörth: "Ich habe den Bericht übers Cassianeum gelesen, das ist so harte Kost, das können Sie nicht an einem Stück durchlesen. Und ich fürchte, dass mir solche schwere Kost auch bevorsteht".

Bayerischer Rundfunk, 4. Februar 2020

Die Abspeisung der missbrauchten Kinder

Beim Geld hört der Missbrauch noch lange nicht auf: Nächste Woche will sich die Frühjahrskonferenz der katholischen Bischöfe mit der Entschädigung einiger Opfer in katholischen Kinderheimen beschäftigen. Von den im Herbst versprochenen Summen ist schon jetzt keine Rede mehr.

Hier weiterlesen 27. Februar 2020


Teilschließung des Heims Neustart reicht nicht

taz: Herr Richert, Brandenburgs Jugendministerin Britta Ernst hat dem Heim Neustart in Jänschwalde eine Teilschließung verordnet. Warum halten Sie das für falsch?

Jörg Richert: Wir haben den Bericht des Ministeriums über das Heim vorliegen. Die groben Verstöße lassen auf einen Träger schließen, der ein zu missbilligendes falsches Verständnis von pädagogischer Arbeit hat. Deshalb reicht es nicht, dort nur Gruppe 1 und 2 zu schließen und die Gruppen 3 und 4 weiterlaufen zu lassen. Die pädagogische Haltung und die ethisch moralischen Vorstellungen der Mitarbeiter in den Gruppen unterscheiden sich nicht.

taz, 18. März 2020

Kinderheime in der Corona-Krise

Auch im Augustinusheim in Ettlingen will man „so lange wie möglich vermeiden, die Jungs heimzuschicken“, sagt die pädagogische Leiterin Jana Geßner. Dabei geht es Geßner auch um die Angehörigen. „Wir müssen die Großeltern schützen.“ Den Jungs den Ernst der Lage zu vermitteln, ihnen klarzumachen, dass es nicht um sie geht, sondern um den Schutz anderer, sei schwierig gewesen.

Badische Neueste Nachrichten, 24. März 2020

Nicht einmal Spaziergänge

Marianne K. war wegen einer Borderline-Störung für erziehungsunfähig erklärt worden und hatte das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Nina verloren. Das Sorge- und Umgangsrecht aber behielt die Mutter. Ihr Gesundheitszustand ist nach mehreren Therapien inzwischen stabil. „Gerade stand eine Ausweitung des Umgangs an, bei der nächsten Hilfekonferenz sollte über Ninas endgültige Rückkehr nach Hause beraten werden. Dann kam Corona“, sagt Marianne K. Mutter und Tochter bleibt nur das Telefon.

„Nicht mal Spaziergänge sind drin“, sagt K. „Sie vertrauen uns nicht, dass wir uns dabei nicht umarmen.“
Die Welt, 21. April 2020

Flüchtlingskind missbraucht?
Einer 27-jährigen Frau aus Kevelaer werden sexueller Missbrauch und sexuelle Nötigung eines 16-Jährigen vorgeworfen. Dafür muss sie sich jetzt vor dem Krefelder Amtsgesicht verantworten. Die Angeklagte war seit dem Frühjahr 2016 als Sozialpädagogin in einem Kinderheim in Kempen beschäftigt, wo sie ab Januar 2017 eine Wohngruppe für unbegleitete männliche Flüchtlinge leitete. Darunter war auch ein 16-jähriger männlicher Jugendlicher.
Rheinische Post, 17. Juli 2020


Studie über DDR-Kinderheime
Rund 500 000 Menschen haben in der DDR ihre Kindheit in Heimen verbracht. 500 000 Geschichten, die ganz unterschiedlich verlaufen sind. Diese Bandbreite will jetzt eine Studie der Universität Leipzig erforschen.

Heide Glaesmer leitet die vom Bund finanzierte Forschungsarbeit. Sie ist Professorin für medizinische Psychologie an der Universität Leipzig. Glaesmer findet, dass die Geschichte der DDR-Heimkinder noch zu wenig psychologisch erforscht sei. Deshalb sucht Glaesmer nun nach ehemaligen DDR-Heimkindern, um sie für die Studie zu befragen. Und man wolle erfahren, wie es ihnen dort gegangen sei, was sie für Erfahrungen gemacht hätten:

"Aber uns interessiert auch, wie man mit diesen Erfahrungen weiter umgegangen ist, mit wem man darüber gesprochen hat, welche Bedeutung das heute noch für einen hat und so weiter.", sagt Glaesmer.
MDR, 23. Juli 2020
Opfer-Verbände enttäuscht
Die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche sollen künftig bis zu 50.000 Euro bekommen können. Darauf hat sich die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda geeinigt. Opfer-Verbände hatten sich viel mehr erhofft.
hessenschau, 24. September 2020

Film von Frank Bauer über "Kleine Strolche"

Asendorf/Bassum – Anke Bartel ist auf dem Weg nach Hannover. Direkt aus der Klinik muss sie einen Säugling holen, weil seine Mutter ihn verlassen hat. Wieder ein Kind, das dringend Zuwendung und Liebe braucht – und über das Kinderheim „Kleine Strolche“ ein Zuhause auf Zeit bekommt. In diesem Fall in einer Bereitschaftserziehungsstelle bei Eltern auf Zeit.

Mehr als 400 Jungen und Mädchen haben in den vergangenen fünf Jahren dringend notwendige Unterstützung im Kinderheim oder in einer Bereitschaftserziehungsstelle erhalten. Insgesamt 70 Fachkräfte gehören zum Team.

Kreiszeitung, 11. November 2020

Montag, 23. Dezember 2019

Heimnachrichten 2019


Kinder- und Jugendförderwerk ist pleite
Vom Chemnitzer Amtsgericht ist ein Insolvenzverfahren gegen das Kinder- und Jugendförderwerk Meerane eröffnet worden. In der Woche vor Weihnachten wurde ein Anwalt aus Chemnitz als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Aus dessen Kanzlei hieß es, das Verfahren befinde sich noch ganz am Anfang. Konkrete Auskünfte zu Schulden und zur Anzahl der Gläubiger konnten noch nicht erteilt werden.
Das Kinder- und Jugendförderwerk, ein gemeinnütziger Verein, war Träger des Meeraner Kinderheims. Dem Jugendamt des Landkreises Zwickau war die bevorstehende Insolvenz des Vereins bekannt. "Aus diesem Grund sind die Mädchen und Jungen des Meeraner Kinderheims anderweitig untergebracht worden", hieß es seitens des Landkreises. Wohin die Kinder aus dem Meeraner Heim verteilt wurden, teilte das Amt nicht mit.
Freie Presse, 4. Januar 2019

72 Millionen für Heimkinder aus Berlin
Die Senatsverwaltung für Jugend hat am Mittwoch eine Bilanz zu den am 31. Dezember geschlossenen Entschädigungsfonds für frühere Heimkinder vorgelegt. Insgesamt 72 Millionen Euro sind demnach  an mehr als 5700 ehemalige Berliner Heimkinder geflossen, die fragwürdige Erziehungsmethoden, Zwang und Gewalt erlitten haben und  in der DDR auch  in gefängnisähnlichen Einrichtungen eingesperrt waren. Im Schnitt wurden pro Person 9800 Euro für materielle Hilfen und 7000 Euro für Rentenersatzleistungen bezahlt. Die Antragsfristen für Fondsleistungen endeten 2014.
Tagesspiegel, 9. Januar 2019

Kinder aus Husum klagen an

Der frühere Leiter einer Einrichtung in Husum soll schwerste Misshandlungen verübt haben – über seinen Anwalt lässt er alle Vorwürfe bestreiten.

Husumer Nachrichten, 13. Februar 2019

Kindesmissbrauch: Prozess in Kitzingen

Der heute 28-Jährige war von Herbst 2003 bis Mitte 2012 in dem Kinderheim. Dass er es erst mit 22 Jahren verließ, deutet die Problematik zumindest an. Im Sommer 2010 wurde ein Kind sein Zimmernachbar, mit dem es bald schon zu sexuellen Handlungen kam. Es begann mit dem gegenseitigen Zeigen des Penis. Als das Kind zehn Jahre alt war, fand erstmals Oralverkehr statt. Das wiederholte sich bis zum Auszug des 22-Jährigen noch dreimal.

Main-Post, 3. März 2019

Das Unglück am Schwanenstein

Heute erinnert eine Tafel am Uferweg Lohme nahe des Schwanensteins an das Unglück im Jahre 1956. Auf dem Friedhof in Nipmerow gibt es auf Initiative des Kinderheims Lohme seit 1995 einen Grabstein für die drei Jungen im Eis. Uwe Wassilowsky wurde 14, Manfred Prewitz 13 und Helmut Petersen gerade einmal 10 Jahre alt.

NDR, 17. März 2019

Autoritäres Weltbild

Roland Stäb sitzt an einem Tisch mit grüner Decke in seinem Haus in Neckargröningen. Seit einem Jahr hat der 65-Jährige die Leitung des Jugendamtes im Kreis abgegeben. Die Berichte ehemaliger Heimkinder über Misshandlungen, Gewalt und Lieblosigkeit in dem 1992 geschlossenen Hohenecker Heim St. Josef hat er mit Erschrecken gelesen. Das autoritäre Weltbild, das Regelkorsett und die Züchtigung als Mittel der Erziehung widerspricht so ziemlich allem, was Stäb in seinem Studium gelernt hat.


Stuttgarter Zeitung, 7. April 2019

Jahrzehntelang seelische Grausamkeit

Ehemalige Heimkinder eines früheren Kinderheims in Ludwigsburg-Hoheneck haben bestätigt, dass sie jahrzehntelang ständiger Gewalt und seelischer Grausamkeit ausgesetzt worden sind.

SWR, 15. Mai 2019

Skulptur auf Müll gelandet
Es ist eine wundersame Geschichte, traurig, aber doch mit einem glücklichen Ende...
Ohne, dass es die meisten Kölner mitbekommen konnten: Seit 1968 existierte in Köln eine Skulptur der berühmten Bremer Stadtmusikanten. Das zirka 1,5 Meter hohe Bronzewerk des Bildhauers Fritz Bernuth (1904-1979) wurde damals im Innengelände des Kinderheims in Sülz aufgestellt. Als Symbol für soziales Verhalten gemäß dem Spruch „Einigkeit macht stark“.

Kölner Express, 21. Mai 2019

Hunde besuchen Heimkinder
Seit drei Jahren besucht das Team mit seinen Hunden einmal wöchentlich das Kinderheim in Aschaffenburg und macht damit den Kleinen eine ganz große Freude. Sie wollen den Kindern den artgerechten Umgang mit Hunden vermitteln und ihnen einfach eine schöne Zeit mit den Tieren schenken. Jeden Donnerstag haben die Kinder etwa zwei Stunden Zeit, mit den Vierbeinern zu spielen, zu kuscheln und ihnen Tricks beizubringen.
Primavera, 1. Juni 2019

Kinderheim der Zukunft

Moderne Kinderheime sind heutzutage Wohngruppen, die pädagogisch betreut werden. Im Marianum gehen die Verantwortlichen einen Schritt weiter. „Es wird nun eine derartige Gruppe mit fünf Jungen ab 16 Jahren zukunftsweisend umgestellt“, erklärt Geschäftsführer Harald Dahlke. „Sie erfahren in eigenen Appartements die letzten Schritte in die Selbstständigkeit, erhalten auch keine Über-Nacht-Betreuung mehr. Sie leben wie in der eigenen Wohnung.“ Dies trage zur sogenannten Verselbstständigung bei. Bei Mädchen gebe es dies schon länger, sagt Dahlke.

Westdeutsche Zeitung, 15. Juli 2019

Tolles Projekt für Heimkinder

Gardelegen/Zichtau l 60.000 Kinder leben deutschlandweit in Kinderheimen. Eine Zahl, die Heike Krieg betroffen macht. Sie selbst hat einen erwachsenen Sohn und lebt in einer Patchworkfamilie. Sie hat früher in einer Kita gearbeitet. „Kinder und soziale Projekte, da springe ich sofort auf“, erzählt die 51-Jährige im Volksstimme-Gespräch. Und sie springt offenbar nicht nur auf, sondern packt dann auch tatkräftig zu. Denn sie hat in privater Regie ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt, das in diesem Jahr zum nunmehr sechsten Mal stattfinden wird und das im Laufe der Jahre immer mehr gewachsen ist. Unter dem Motto „Lieber gemeinsam als einsam“ bewirtet und beschenkt sie am Heiligen Abend Kinder aus Kinderheimen. Richtig mit Weihnachtsmann und Weihnachtselfe – „wie zu Hause eben“, sagt Heike Krieg mit einem strahlenden Lächeln. Die Geschenke werden gesponsert. Sie hat bereits einen Helferstamm, der sie unterstützt. Aber weitere Helfer sind natürlich immer willkommen.

Volksstimme, 21. Juli 2019

Kinderheim wird erpresst

Großenhain. Gegenwärtig sind wieder verstärkt Erpresser-E-Mails im Umlauf. Eine davon hat jetzt das Kinderheim Walda erreicht. Darin wurde es aufgefordert, 2000 Euro in der Online-Währung Bitcoins zu bezahlen. Die Betrüger drohen damit, pornografische Fotos zu veröffentlichen. Bei einer Einrichtung wie dem Kinderheim schwebt sofort der Verdacht der Kinderpornografie mit. Deshalb stellt der Dresdner Polizeisprecher Marko Laske von vornherein klar: „Das Kinderheim Walda ist ohne Fehl und Tadel. Diese Erpressung ist an den Haaren herbeigezogen.“

Sächsische Zeitung, 12. August 2019 


Misshandlungen im Namen von Wildfang?

Ein deutsches Sozialprogramm steht unter Verdacht, über Jahre Kinder und Jugendliche misshandelt zu haben. Rumänische Behörden ermitteln derzeit gegen acht Verdächtige des Projekts „Maramures“ in der gleichnamigen Region in Rumänien. Das Projekt, das an die niedersächsische Kinder- und Jugendhilfe „Wildfang“ angeschlossen ist, soll sozial auffällige Kinder und Jugendliche „rehabilitieren“. Vor allem junge Menschen landen dort, für die die meisten Möglichkeiten innerhalb Deutschlands bereits ausgeschöpft sind.

Einer von ihnen ist Tim K. (Name geändert). Der heute 21-Jährige verbrachte ab 2013 fast zwei Jahre in dem Projekt in Rumänien. Als er am Mittwochmorgen von den Anschuldigungen las, war er erleichtert. „Mir fiel ein Stein vom Herzen“, sagt er. „Nie wollte mir jemand glauben, wenn ich erzählte, was ich dort erlebt habe.“

Focus, 30. August 2019

Alles nur frei erfunden?

Deutsche Jugendliche sollen in einem rumänischen Kinderheim misshandelt worden sein. Doch mehr und mehr geraten die Vorwürfe ins Wanken. War am Ende alles erfunden? HAZ-Reporterin Jutta Rinas durfte als eine von ganz wenigen Journalisten hinein – und traf auf eine Welt, in der in Frage steht: Wer ist eigentlich Täter und wer ist Opfer?

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 25. September 2019

Isolation und Schikane
Die Heimaufsicht des Brandenburger Jugendministeriums hat die Kinder- und Jugendeinrichtung „Neustart“ in Jänschwalde (Spree-Neiße) am Mittwoch, 25. September, besucht. Unangekündigt, wie es in einer Mitteilung aus Potsdam ausdrücklich heißt.

Ehemalige Bewohner berichten von Isolation und Schikane.

Lausitzer Rundschau, 25. September 2019

Behinderte eingesperrt?
Polizei-Großeinsatz in der Behinderteneinrichtung „Wittekindshof“. 70 Beamte in Zivil reisten im Bus an, durchsuchten Zimmer in der Diakonischen Stiftung. Schlimmer Verdacht: Freiheitsberaubung von Schutzbefohlenen in der „Heilpädagogischen Intensivbetreuung“!

Staatsanwalt Christopher York (39) zu BILD: „Wir gehen einem Anfangsverdacht in mehreren Fällen nach. Die Durchsuchung sollte aktuelle Zustände dokumentieren.“ Ermittler beschlagnahmten Heim-Akten.
Bild, 4. Oktober 2019

Viele Sichtweisen
Es gehört zu den Besonderheiten des Maramures-Falls, dass es extrem verschiedene Sichtweisen gibt. Viele der Kinder, die nicht mit ihrem echten Namen zitiert werden sollen, wollen bleiben. Da ist Andi (14), der auf der Straße gelebt hatte. Drogen habe er genommen, „allgemein alles, Crystal Meth“. Er macht ein Praktikum in der Reifenwerkstatt in Viseu de Sus. „Ich mag diese Arbeit, was mit Autos halt“, sagt er. Was ist in Rumänien besser als in Deutschland? In Deutschland sei er in die Gummizelle gepackt worden, wenn er Probleme gehabt habe. „Hier kann ich reden.“
Frankfurter Rundschau, 6. Oktober 2019
Auslandsprojekte umstritten

Auslandsprojekte für besonders aggressive oder straffällige Jugendliche geraten immer wieder in die Kritik. Zuletzt machte "Maramures", ein Jugendprojekt des niedersächsischen Trägers Wildfang GmbH in Rumänien, Schlagzeilen: Der deutsche Leiter des Heims und mehrere Mitarbeiter wurden festgenommen. Die Vorwürfe: Sklaverei, Gewalt und Menschenhandel. Die rumänische Staatsanwaltschaft holte mehrere Jugendliche aus dem Projekt und nahm sie in ihre Obhut. Zwei Jugendliche sind offenbar noch immer dort. Einer kommt aus dem Landkreis Aurich. Wie das Sozialministerium jetzt mitteilte, soll er bald zurück nach Deutschland kommen. Die 54 Jugendämter in Niedersachsen sind beim Thema Auslandsprojekte gespalten: 30 Jugendämter bewerten die Projekte für einzelne schwierige Kinder und Jugendliche als sinnvoll. Jedes dritte Jugendamt lehnt es dagegen ab, Jugendliche im Rahmen der Intensivpädagogik ins Ausland zu schicken.

NDR, 13. Oktober 2019

Mahnung für die Zukunft

Mehr als 500 Seiten umfasst die Studie „Verantwortung und Aufarbeitung“ – für jedermann einsehbar auf www.caritas-linz.at. Sie beleuchtet die Vergangenheit von Caritas-Heimen in OÖ, das Kapitel Gleink zählt 190 Seiten. 2016 gab die Caritas OÖ einem unabhängigen Forscherteam den Auftrag, die Geschichte und Hintergründe der Gewalt in ihren Heimen aufzuarbeiten. „Wir wollen uns damit unserer Verantwortung stellen. Die Studie soll uns Mahnung für die Zukunft sein“, so Direktor Franz Kehrer.

total.regional, 5. November 2019

Keine Gewalt in Kinderheim

Dann reden wir lange. Sehr offen und freundlich und vor allem sehr genau erinnert sich die 79jährige an ihre Zeit als Erzieherin. Was heutzutage über die Kinderheime erzählt wird, versteht sie nicht. Aus eigenem Erleben weiß sie: Es stimmt nicht. »Schlagen und Quälen – also unsere Kinder nicht«, sagt sie. »Das werden sie von unseren Kindern nicht hören.« Ich frage nach. »Bei uns nicht. Dafür lege ich die Hand ins Feuer.« Auch in ihrem gesamten beruflichen Umkreis »hat es nicht stattgefunden«.

Junge Welt, 9. November 2019

Kinder schlafen in einer Zelle

Es gab jedoch auch Kinderheime in alten Kasernen, und in Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) befand sich in den Jahren 1968 bis 1987 ein Durchgangsheim in einem alten Gefängnis, das für seine neue Bestimmung nicht umgebaut wurde. Die Kinder und Jugendlichen schliefen jeweils zu viert in einer Zelle, die sich von innen nicht öffnen ließ. Um nachts die Notdurft verrichten zu können, stand ein Kübel im Raum. Die kleinen Fenster blieben vergittert. Durch eine Mauer war das Areal abgeschottet. Eigentlich sollten die Kinder maximal 18 Tage hier bleiben, bis ein Heimplatz für sie gefunden war. Doch die Plätze waren knapp.

Neues Deutschland, 15. November 2019

Das Leid der "Verschickungskinder"

Westerland - Ärzte verschrieben die Kuren bis in die 80er Jahre hinein. Kranken- und Rentenkassen finanzierten die sechs- bis achtwöchigen Kuraufenthalte der „Verschickungskinder“, wie sie auch in den Akten genannt wurden. Während dieser Zeit waren die Zwei- bis 14-Jährigen der Willkür von Kurärzten, Pflegerinnen und Schwestern ausgeliefert. Das belegen die Berichte, die Betroffene seit zwei Monaten im Internet auf Initiative der Sonderpädagogikdozentin und Publizistin Anja Röhl auf der Internetseite www.verschickungsheime.de öffentlich machen. Elternbesuche waren in den Heimen nicht erlaubt. Eine Kontrolle fand offenbar nicht statt. Die Betroffenen berichten von Demütigungen und Erniedrigungen.

Stuttgarter Zeitung, 24. November 2019

"Jugendamt keine Hilfe"

Fast jedes zweite Wochenende kommt Jenny aus dem Kinderheim in der Großstadt nach Hause in ihre Pflegefamilie in einem Marktflecken in Bayern. Schweren Herzens haben sich Pflegemutter Marina Wolf (alle Namen von Kindern und Pflegeeltern geändert) und ihr Mann von der Pflegetochter getrennt. Mehrere Probleme in der Familie waren ihnen über den Kopf gewachsen, räumt die Mutter ein. "Wenn ich gewusst hätte, was alles auf uns zukommt", seufzt sie am Telefon. Und sie fügt hinzu, das Jugendamt sei ihr keine Hilfe gewesen.

Sonntagsblatt, 2. Dezember 2019

Vorwürfe gegen Heim in Kriele (Havelland)

Sieben Plätzen für Mädchen und Jungen im Alter von vier bis zwölf Jahren gibt es in dem 2015 eröffneten Heim. Nun haben Betroffene anonym in einem ZDF-Bericht schwere Vorwürfe gegen die Einrichtung erhoben: Die teils nach Missbrauch und Vernachlässigung schwersttraumatisierten Kinder seien durch das in der Nähe befindliche Gesundheitshaus "Metatron" mit fragwürdigen schamanischen Methoden behandelt worden – und nicht nur das. Wenn Kinder wie Benni, die wie im Film gezeigt große Problem mit körperlicher Nähe haben, ausrasteten, hätten sich Erzieher mit ihrem ganzen Gewicht auf diese gelegt, um sie zu "beruhigen". 

Potsdamer Neueste Nachrichten, 12. Dezember 2019