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Sonntag, 20. Dezember 2020

Jugendämter (2020)

Jugendamt verheimlicht Straftaten in Eberswalde

Obwohl das Jugendamt die Klinik-Einweisung des Mädchens verfügt haben soll, informierte die Behörde weder Polizei noch Staatsanwaltschaft!

Oberstaatsanwalt Joachim Sörries (52) aus Frankfurt (Oder) zur B.Z.: „Ich habe von dem Fall am Samstag aus der Zeitung erfahren – und sofort die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Misshandlung Schutzbefohlener und schwer Körperverletzung veranlasst.“

Und weiter: „Wenn die Berichte stimmen, geht es hier um ganz gewichtige Straftaten. Wir werden uns die Krankenakte des Kindes mit einem richterlichen Beschluss beschaffen und alles Erforderliche tun, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“

BZ, 12. Januar 2020


Wie mit Jugendämtern umgehen?

Grundsätzlich rät der Rechtsanwalt am Samstag (25.01.2020) im WDR zum Umgang mit dem Jugendamt: "Zeigen Sie Bereitschaft zu Zusammenarbeit. Auch wenn das in einer solchen Ausnahmesituation sicher schwerfällt." Wer als unkooperativ gelte, habe schlechtere Chancen, seine Erziehungsfähigkeit zu beweisen.

Wenn mit bestimmten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern keine Verständigung mehr möglich sei, könne es helfen, Vorgesetzte hinzuzuziehen. Hilfreich sei es auch, zu Gesprächen mit dem Jugendamt eine Vertrauensperson mitzunehmen.

In Zukunft soll sich die Situation für Eltern verbessern. Eine Gesetzesänderung ist vom Familienministerium geplant. Dann sollen Ombudsstellen in Streitfällen für Ausgleich sorgen.

WDR, 25. Januar 2020


Ziemlich naiver Anwalt
In einer Sendung, die der WDR am 25. Januar ausgestrahlt hat, rät der Kölner Rechtsanwalt Oliver Abel Eltern zu einem „kooperativen Umgang“ mit Jugendämtern, zu jedem Gespräch solle man eine Vertrauensperson mitnehmen, komme man mit dem Mitarbeiter nicht zurecht, sei es ratsam, sich an den Vorgesetzten zu wenden.
Hier weiterlesen 28. Januar 2020


Jugendamt bemerkt Schwangerschaft nicht

Der Prozess um die Tötung eines Babys gegen eine 26-jährige Frau aus Rostock ist am Donnerstag in den nächsten Verhandlungstag gegangen. Dabei wurde ein Mitarbeiter des zuständigen Jugendamts befragt. Der gab an, dass er die Schwangerschaft von Cindy P. nicht bemerkt hatte. Auch eine Kindeswohlgefährdung konnte das Amt nicht feststellen – obwohl die Frau laut eigener Aussage des Mitarbeiters überfordert war.

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Die Staatsanwaltschaft legt der alleinerziehenden Mutter zur Last, ein Mädchen nach der Geburt getötet zu haben, weil sie die Kleine nahe eines Spielplatzes abgelegt hatte. Die Angeklagte soll neben einer Tischtennisplatte ihr gesundes Mädchen eigenständig entbunden haben. Anschließend legte sie das Baby auf ein Rasenstück ab. Es starb an einer Unterkühlung.


Nordkurier, 6. Februar 2020

Jugendamt fördert Kindesmissbrauch

Marcos Stimme am Telefon ist voller Verachtung, wenn er über seinen Pflegevater Fritz H. spricht: „Psychoterror und Gewalt, das war sein Ding“, sagt er. „Ein richtiges Dreckschwein.“ Fritz H. misshandelte, missbrauchte und vergewaltigte Marco und seinen Pflegebruder Sven in seiner Wohnung in Friedenau von frühester Kindheit an, bis die Jungen circa 14 Jahre alt waren – und all das unter der Zuständigkeit des Jugendamts Schöneberg.


Das sagen Marco und Sven, und das bestreitet die Senatsverwaltung für Bildung, Familie und Jugend nicht.

Berliner Kurier, 7. Februar 2020

Intensiver Austausch gefordert

Als Reaktion auf den Fall schwerer Kindesvernachlässigung in Eberswalde ruft Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) die Jugendämter dazu auf, sich untereinander intensiver auszutauschen. "Ich würde es begrüßen, wenn es einen Dialog über Standards, Handlungssicherheit und Richtlinien gibt. Das liegt in der Zuständigkeit der Jugendämter." Sie vermute, dass die Arbeitsweisen innerhalb des Landes bislang sehr unterschiedlich sind. An einem solchen Dialog-Prozess würde sich das Ministerium gegebenenfalls gerne beteiligen.

Märkische Zeitung, 14. Februar 2020

Mehr sexuelle Gewalt

Mehr als 8200 Berliner Kinder waren 2018 Vernachlässigung, Misshandlung oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Dies wurde am Donnerstag durch eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Emine Demirbüken-Wegner bekannt. Diese Zahl, der von Jugendämtern aufgedeckten Fälle, bedeutet einen Anstieg um mehr als 20 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Auffällig ist die Steigerung bei sexueller Gewalt um 50 Prozent von 200 auf 300 Taten. Überproportional häufig taucht Spandau auf (42 Fälle), am seltensten werden Fälle aus Reinickendorf (7) gemeldet.

Tagesspiegel, 28. Februar 2020

Häusliche Gewalt während der Corona-Bewährungsprobe

Eine zusätzliche Belastung seien Geld- oder Arbeitsplatzsorgen mancher Eltern. "Kinder bekommen das mit. Sie sind aber nicht geübt, über ihre Sorgen zu sprechen. Sie werden stattdessen vielleicht anstrengender", sagt Sgolik. In solchen Fällen drohe die Lage zu eskalieren, wenn überforderte Eltern zu Erziehungsmaßnahmen greifen, die nicht in Ordnung sind, sagt der Jugendamtsleiter.


Beispiele aus anderen Bundesländern wie etwa Berlin würden zeigen, dass die häusliche Gewalt in der aktuellen Situation zunehme. Schon jetzt sei das auch in Regensburg spürbar.

BR 24, 2. April 2020

Mehr Inobhutnahmen

Die Jugendämter in Deutschland verzeichnen im Zuge der Corona-Krise einen Anstieg sogenannter Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen. Das sei zwar bisher kein flächendeckendes Phänomen und konkrete Zahlen gebe es frühestens in einem Jahr, sagte der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter (BAG), Lorenz Bahr. "Aber wir haben schon die Wahrnehmung, dass es einen Anstieg von Inobhutnahmen im städtischen Umfeld gibt."

Augsburger Allgemeine, 7. April 2020


Kein Anfangsverdacht gegen Jugendamtsmitarbeiter

Vor dem mutmaßlich gewaltsamen Tod eines Fünfjährigen in Mönchengladbach hatte die Kita das Jugendamt eingeschaltet. Das Jugendamt habe Kontakt zur Familie wegen „kleinerer Hämatome“ am Arm des Kindes aufgenommen, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Ob die Familie Hilfsangebote abgelehnt habe, sei Gegenstand der Ermittlungen. Um die Rolle des Jugendamtes gehe es bei den Ermittlungen aber nicht.
„Derzeit sehe ich keinen Anfangsverdacht einer Straftat durch einen Mitarbeiter des Jugendamtes“, sagte Staatsanwalt Stefan Lingens.

Kölner Stadtanzeiger, 6. Mai 2020

Kind tot-Jugendamt sah keine Gefahr

Vor dem gewaltsamen Tod eines kleinen Jungen in Mönchengladbach in diesem Frühjahr hat die Kita das Jugendamt alarmiert. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD hervor. Die Leitung des Kindergartens schlug demnach Alarm, nachdem bei dem fünfjährigen Kind Hämatome am Oberarm festgestellt wurden: Eine Kindeswohlgefährdung sei aufgrund einer augenscheinlichen Überforderung der Mutter hoch. Beim Hausbesuch habe die Frau die Hämatome für das Jugendamt nach Angaben der Behörde nachvollziehbar erklärt: Eine akute Kindeswohlgefährdung habe nach Einschätzung des Jugendamtes nicht bestanden.

Westdeutsche Zeitung, 10. Juni 2020

Missbrauchter Junge von Familiengericht Münster nicht angehört

Im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall in Münster hat NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) den Umgang der Behörden mit dem 27-jährigen Hauptbeschuldigten kritisiert. "Wenn man sich das Ergebnis anschaut, da kann man doch nicht sagen: Da ist alles richtig gelaufen", sagte Reul dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Der 27-Jährige hatte zwei Vorstrafen wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie, dennoch konnte er offenbar über Jahre mit seiner Partnerin und deren mittlerweile zehn Jahre altem Sohn zusammenleben. Das Kind wurde mutmaßlich von dem Mann missbraucht und auch anderen Männern zum Missbrauch überlassen.

Im Oktober 2015 hatte sich das Familiengericht Münster laut "Spiegel" in einem Kindesschutzverfahren mit der Situation des Jungen befasst. "Es bestand Einvernehmen, dass das Verfahren ohne Eingriffe in das Sorgerecht beendet werden kann", sagte ein Gerichtssprecher dem Nachrichtenmagazin. Dabei sei der Junge selbst aber nicht angehört worden.

Evangelisch, 12. Juni 2020

Jugendamt Hameln schwer belastet

Im Fall des hundertfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde nahe der niedersächsischen Landesgrenze sieht der Landrat des nordrhein-westfälischen Landkreises Lippe, Axel Lehmann (SPD), das Hauptversagen beim Jugendamt Hameln-Pyrmont. Der Nachbarkreis sei "ganz klar" zuständig gewesen für den Haupttäter, sagte Lehmann am Montag vor dem Sonderausschuss im nordrhein-westfälischen Landtag.

NDR, 23. Juni 2020

Jugendämter erstatten Stornierungsgebühren für Ferienlager

Der Ausfall der Ferienlager durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie trifft viele Pfarrgemeinden, Verbände und Vereine hart. Damit die Situation nicht auch noch zum großen finanziellen Problem wird, raten die Verantwortlichen der katholischen Jugendarbeit im Bistum Münster, sich an die zuständigen Jugendämter zu wenden. Dort gibt es vielerorts die Möglichkeit, zumindest anfallende Stornierungsgebühren erstattet zu bekommen.

Denn die haben es manchmal in sich, sagt Michael Seppendorf, der die Abteilung Kinder, Jugendliche und Junge Erwachsene im Bischöflichen Generalvikariat in Münster leitet. „Die Forderungen von Vermietern oder Busunternehmern bewegen sich zwischen wenigen hundert Euro bis zu höheren fünfstelligen Summen.“ Mit den Organisatoren von etwa 270 Freizeiten, die im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums abgesagt worden sind, hat seine Abteilung mittlerweile Kontakt aufgenommen. Er schätzt den Anteil der Angebote, die Ausfallgebühren bezahlen müssen, auf etwa 50 Prozent.

Kirche und Leben, 26. Juni 2020


Kritik nach Tod eines Kleinkindes
Nach dem Tod eines Kleinkindes in Querfurt kritisieren Anwohner die Arbeit des Jugendamts. Ein Papier des Landtags dokumentiert die Arbeit der Jugendämter in den einzelnen Landkreisen. MDR SACHSEN-ANHALT hat die Zahlen ausgewertet.


MDR, 22. Juli 2020

Schlechter Ruf
Seit Monaten spitzen sich die Krisen der Vierzehnjährigen zu. Das intelligente Mädchen gerät bei nichtigen Anlässen außer sich, verletzt sich selbst. Nach mehreren Aufenthalten in Kliniken steht fest, dass sie an einer ernsten psychischen Störung leidet. Sie selbst, ihre alleinerziehende Mutter und der zwei Jahre jüngere Bruder sind sich einig: Sie brauchen professionelle Unterstützung. Die Mutter beantragt am 29. Januar 2018 Hilfe zur Erziehung beim Jugendamt der Stadt Gießen. Die Antwort empfindet sie als Schlag ins Gesicht. Ähnlich wird es weitergehen:: Immer wieder fühlt sich die Gießenerin abgewiesen, »im Regen stehengelassen«, stigmatisiert.
Aus guten Gründen habe die Behörde bei Fachleuten einen schlechten Ruf, sagt die 58-Jährige im Gespräch mit der GAZ. »Es ist ein Skandal. Und wir sind kein Einzelfall. Unsere Erfahrungen sind nicht individuellem Pech geschuldet, sie sind symptomatisch.« Sie wisse von etlichen ähnlichen Fällen.
Gießener Allgemeine, 28. Juli 2020

Münster-Kinderhaus: Auch Mutter in U-Haft

Neben Adrian V. und mittlerweile zehn weiteren Verdächtigen in dem Fall, sitzt auch die Mutter des Hauptbeschuldigten, die Besitzerin der Gartenlaube in Kinderhaus, in U-Haft. Ihr wird Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch an dem Zehnjährigen sowie einem fünf Jahre alten Kind vorgeworfen. Zuletzt hatte es in dem Missbrauchsfall in Münster eine weitere Festnahme in Saarbrücken gegeben.

Die Ermittler gehen derzeit der Frage nach, was die Mutter des Zehnjährigen von den Vorfällen in der Gartenlaube wusste und ob sie sich strafbar gemacht hat. Die Freundin von Adrian V. sitzt zwar nicht in U-Haft, steht jedoch mittlerweile im Visier der laufenden Ermittlungen. Ein dringender Tatverdacht besteht gegen die Frau aus Münster bislang noch nicht, wie aus einem Bericht des NRW-Justizministeriums hervorgeht.
msl24, 20. August 2020

Kein struktureller Veränderungsbedarf

Es ist nicht gut, aber es bleibt wohl wie es ist: Für die Jugendämter in Niedersachsen wird ein belastender Bericht über die Rolle des Jugendamts im Landkreis Hameln-Pyrmont im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall von Lügde keine Konsequenzen haben. Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) erklärte am Donnerstag im Sozialausschuss, keinen strukturellen Veränderungsbedarf zu sehen. Zu Fehlern im Jugendamt Hameln-Pyrmont sei es gekommen, weil Richtlinien nicht eingehalten wurden und die Zusammenarbeit mit anderen Ämtern unzureichend war. Die Jugendämter könnten aus dem Bericht lernen, dass klare Strukturen zum Kinderschutz nötig seien und diese auch gelebt werden müssten.

NDR, 10. September 2020
Schwere Vorwürfe gegen Jugendamt
Der Ex-Freund der Mutter des Achtjährigen, der aus der Drogen-Wohnung gerettet wurde, warnte die Behörden bereits im Juni.
Schweriner Volkszeitung, 29. September 2020
Keine Trennung von Jugend- und Behindertenhilfe mehr
Von 2028 an sollen die Jugendämter für alle rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendlichen zuständig sein, die in Deutschland auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat am Freitag in Berlin die zentralen Vorhaben der seit Jahren debattierten Modernisierung der Kinder- und Jugendhilfe vorgestellt und sich zuversichtlich gezeigt, dass das Gesetz im kommenden Frühjahr in Kraft treten kann. Es sieht unter anderem vor, die Trennung zwischen Jugend- und Behindertenhilfe für Kinder und Jugendliche zu beenden.
epd, 9. Oktober 2020
Auch Erzieherin auf Anklagebank

Als Haupttäter gilt ein 27-Jähriger Münsteraner, bei dem im Frühjahr 2020 zahlreiche verschlüsselte Speichermedien gefunden wurden. Gemeinsam mit den drei anderen angeklagten Männern soll er im April 2020 teilweise über Tage hinweg den Sohn seiner Lebensgefährtin und einen weiteren Jungen, den fünfjährigen Sohn des Angeklagten aus Staufenberg, in einer Gartenlaube in Münster-Kinderhaus schwer sexuell missbraucht haben. Die Jungen sollen sie mit KO-Tropfen gefügig gemacht haben.

Mitangeklagt ist auch die Mutter des Hauptbeschuldigten, eine 45 Jahre alte Kindergartenerzieherin. Sie soll den Männern ihre Kleingartenlaube überlassen haben, in dem Wissen um die Taten.
WDR, 12. November 2020
Vereinbarung mit der Polizei
Mit ihrer Unterschrift wurde eine bislang bereits gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und Polizei für den Kinderschutz nochmals rechtlich bekräftigt: Am Dienstag (24. November) unterzeichneten am Rande der Bürgermeisterkonferenz in Bestwig die Bürgermeister Ralf Paul Bittner (Arnsberg), Klaus-Rainer Willeke (Sundern), Burkhard König (Schmallenberg) sowie Landrat Dr. Karl Schneider (Hochsauerlandkreis) und Polizeidirektor Klaus Bunse (Kreispolizeibehörde) die Kooperationsvereinbarung für den Kinderschutz.

In dem siebenseitigen Vertragswerk verständigen sich die vier Jugendämter Arnsberg, Sundern, Schmallenberg und Hochsauerlandkreis und die Polizei auf einen sach- und zeitgerechten Informationsaustausch, um unter Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen Informationsdefizite zu minimieren.Regelmäßig haben Polizei und Jugendamt mit jeweils unterschiedlichen Aufgaben und Zielsetzungen Fälle akuter oder andauernder Kindeswohlgefährdung oder sexueller oder häuslicher Gewalt zu bearbeiten.
Wochenanzeiger, 26. November 2020
Mordprozess: Ungeeignete Pflegemutter bekommt immer wieder Kinder
Die 51-Jährige sei als Pflegemutter völlig ungeeignet gewesen, sagen die Richter. Und doch habe sie über Jahre von mehreren Jugendämtern Kinder zugewiesen bekommen. Zuletzt das 21 Monate alte Opfer.
Die Pflegemutter aus Solingen muss für sechs Jahre und zehn Monate in Haft. Das Wuppertaler Landgericht hat sie am Freitag (04.12.2020) für schuldig erklärt, ihr Pflegekind getötet zu haben. Die Frau hatte die Tat zum Prozessbeginn gestanden. Verurteilt wurde sie wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung Schutzbefohlener.
WDR, 4. Dezember 2020
17-Jährige reißt mit Freund aus dem Iran aus
Es ist ein Alptraum. Die 17-jährige Jennifer M. aus Bühl ist seit mehr als vier Monaten verschwunden. Die Eltern vermuten sie bei ihrem 20-jährigen iranischen Freund in Bremen und suchen sie dort verzweifelt. Sie waren gegen die Beziehung, die kulturellen Gegensätze des Paares waren groß. Die Tochter riss von zu Hause aus. 
Badische Neueste Nachrichten, 16. Dezember 2020

Samstag, 24. Dezember 2016

Heimnachrichten 2016

Medikamententests an Heimkindern

Als Scheidungskind war Marion Greenaway 1972 in den Birkenhof abgeschoben worden, ein geschlossenes Mädchenheim in Hannover. Monatelang musste die 14-Jährige täglich Tabletten einnehmen, obwohl sie, wie sie heute sagt, kerngesund war: "Warum ich die kriegte, weiß ich nicht. Ich war nie krank in meinem Leben."

Spiegel online, 2. Februar 2016

Kommission untersucht Missbrauchsfälle

Die Missbrauchsfälle in der Odenwaldschule und in der Katholischen Kirche haben die Öffentlichkeit wachgerüttelt. Eine unabhängige Kommission soll diesen und anderen Fälle von sexueller Gewalt gegenüber Kindern auf den Grund gehen. Vorsitzende ist mit Prof. Dr. Sabine Andresen eine Forscherin der Goethe-Universität. FNP-Mitarbeiter Thomas J. Schmidt hat sich mit ihr unterhalten.

Frankfurter Neue Presse, 15. Februar 2016

Einrichtung geschlossen

Das Landesjugendamt hat am Freitag eine Jugendeinrichtung in Flensburg wegen des Verdachts auf Drogenmissbrauchs geschlossen. Es habe Hinweise auf den Konsum harter Drogen gegeben, sagte der Sprecher des Sozialministeriums, Frank Lindscheid, am Samstag. In der Einrichtung in der Wrangelstraße hätten zehn Bewohnerinnen gelebt, die nun anderweitig untergebracht worden seien.

Flensburger Tageblatt, 5. März 2016

Missbrauch in Evangelischer Brüdergemeinde

Beifall für Ulrich Weber: rund 20 Erwachsene, die als Heimkinder Opfer von sexuellem Missbrauch, von physischer und psychischer Gewalt in den Einrichtungen der Evangelischen Brüdergemeinde wurden, applaudierten am Samstag dem Juristen. Der Anwalt klärt derzeit die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen auf und war auf Bitten von Detlev Zander gekommen. Er erklärte, dass sich Zander wie alle anderen Opfer auch im Rahmen der Aufarbeitung „für nichts rechtfertigen muss“. Zander hatte die Vorfälle 2014 öffentlich gemacht.

Leonberger Kreiszeitung, 7. März 2016

Wieder am Anfang

Zander lässt sich nicht beirren von der Tatsache, dass die Aufarbeitung von physischer und psychischer Gewalt in den Kinderheimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal in den 1940er Jahren bis in die 70er Jahre wieder am Anfang steht.

Stuttgarter Nachrichten, 17. März 2016

Heimkinder werden weggeschlossen

Die bayerische Sozialministerin hat Vertreter der Heimaufsichtsbehörden heute ins Ministerium einbestellt. Damit reagiert Emilia Müller auf Enthüllungen von BR Recherche, dass Kinder in bayerischen Heimen weggeschlossen werden.

Bayerischer Rundfunk, 7. April 2016

Probleme mit der Volljährigkeit 

Das Inselhaus widmet sich diesem Thema an seinem bevorstehenden Geburtstag: 35 Jahre ist es her, seit Dörte Sambraus ihr Erbe in Höhe von zwei Millionen Mark in die Hand genommen hat, um sich ihren Traum von der Kinderhilfe zu erfüllen. Die sollte benachteiligten und durch familiäre Umstände in ihrer Entwicklung beeinträchtigten jungen Leuten zugute kommen. Sambraus kaufte das Anwesen in Eurasburg, in dem heute das Kinderheim angesiedelt ist. Die Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe betreut heute 110 Kinder und Jugendliche, 70 stationär.

Süddeutsche Zeitung, 9. Mai 2016

Revision nach Verurteilung

Nach der Verurteilung des früheren pädagogischen Leiters eines Kinderheims im Landkreis Lüneburg wegen sexuellen Missbrauchs haben seine Verteidiger Revision eingelegt. Ein entsprechendes Schreiben sei eingegangen, teilte eine Sprecherin des Landgerichts Lüneburg am Freitag mit. Die 3. große Jugendkammer des Gerichts hatte den 47-Jährigen vor gut einer Woche zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Er soll zwei Jungen in der kleinen Einrichtung missbraucht haben.

Deutsche Presseagentur, 27. Mai 2016


Zwölfjähriger stiehlt Auto-will zur Mutter

Er hatte wohl Heimweh und wollte zu seiner Mutter - deshalb hat ein zwölfjähriges Kind aus einer Wohngruppe in Neuruppin seinem Betreuer das Auto gestohlen und ist nach Berlin gefahren. Offensichtlich habe der Junge seine Mutter besuchen wollen, sagte ein Sprecher der Polizei am Sonntag. Das Kind hatte vorher in Berlin gelebt.

rbb, 12. Juni 2016


Wird Kinderheim Dahlenburg geschlossen?

Weil der ehemalige pädagogische Leiter des Kinderheims Dahlenburg (Landkreis Lüneburg) ins Gefängnis muss, könnte die Einrichtung ihre Betriebserlaubnis verlieren. Grund ist nicht etwa die Verurteilung des Mannes zu sechs Jahren Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs an zwei Heimjungen. Vielmehr geht es darum, dass der 47 Jahre alte Pädagoge das Heim mit seiner Lebensgefährtin als "familienanaloge Wohngruppe" angemeldet hatte. Dieses Merkmal sei nun nicht mehr gegeben, sagte der Sprecher des Landessozialamts in Hildesheim, Michael Haase.


NDR, 16. Juni 2016

Heimkind legt mehrere Brände

Ein 14 Jahre alter Junge hat in einem Kinderheim im thüringischen Nordhausen vermutlich aus Wut mehrere Brände gelegt. Fünf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 17 Jahren wurden mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht, wie eine Polizeisprecherin sagte.

Spiegel online, 8. Juli 2016

Zehn-Punkte-Programm für Verbesserungen

Das Ministerium war im April von einem Bericht des Bayerischen Rundfunks über eingeschlossene Kinder und Jugendliche in bayerischen Heimen aufgeschreckt worden und hatte alle Einrichtungen überprüft. Mit einem Zehn-Punkte-Plan soll die Situation nun weiter verbessert werden. So sollen Eltern beispielsweise stärker einbezogen werden.

Bayernkurier, 4. August 2016


Aus Heim ausgerissen

Die Zugbegleiterin informierte die Polizei. In Eisenhüttenstadt angekommen, wartete eine Polizeistreife auf die beiden Kinder. Es hatte sich herausgestellt, dass die beiden Jungen in einem Kinderheim in Frankfurt (Oder) untergebracht sind und dort bereits vermisst wurden.

Märkische Allgemeine, 11. August 2016

Korntaler Kinderheime: Mediatoren eingeschaltet

Neuer Anlauf: Die Fälle von physischer und psychischer Gewalt in den Korntaler Kinderheimen sollen aufgearbeitet werden. Doch zunächst sind zwei Mediatoren aus Frankfurt gefragt. Sie sollen die zerstrittenen Betroffenen, die evangelische Brüdergemeinde und deren ehemalige Mitarbeiter an einen Tisch bringen.

Stuttgarter Zeitung, 12. September 2016

Grüne fordern Richtervorbehalt

Nach der Landespolitik reagiert nun auch die Bundespolitik auf die BR-Recherche zu den freiheitsbeschränkenden Maßnahmen in bayerischen Kinderheimen. Die Grünen im Bundestag fordern in einem Gesetzentwurf, den Richtervorbehalt einzuführen.

Bayerischer Rundfunk, 27. September 2016

Missbrauch in Hamburger Kinderheim

In einem Hamburger Kinderheim hat es Anfang der 80er-Jahre offenbar mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch gegeben. Betroffen ist der Margaretenhort im Stadtteil Harburg, wie NDR 90,3 berichtete. Nach Angaben des Kirchenkreises Hamburg-Ost haben zwei ehemalige Bewohnerinnen den Fall ins Rollen gebracht.

NDR, 25. Oktober 2016

Medikamententests: Aufklärung dauert

In einem ersten kurzen Bericht an den Gesundheitsausschuss des Landtages hat Ministerin Barbara Steffens am Mittwoch (26.10.2016) zu den Veröffentlichungen über Medikamententest an Heimkindern Stellung bezogen. Die Grünenpolitikerin versicherte, schnellstmöglich für Aufklärung zu sorgen. Allerdings lägen bis auf die Studie der Krefelder Pharmakologin Sylvia Wagner keine Informationen vor. "Wir stehen da am Anfang", sagte Steffens.

WDR, 26. Oktober 2016

Medikamenten-Tests auch in Marburg

Bei den Marburger Einrichtungen handelt es sich um die damaligen Kinderheime Bethanien und St. Elisabeth. Laut einer Arzneimittelstudie aus dem Jahr 1963, die hr-iNFO und hessenschau vorliegt, wurde dort an 30 Mädchen und Jungen ein Impfstoff gegen Kinderlähmung getestet. Die Heimkinder waren demnach sechs Monate bis elf Jahre alt.

Hessenschau, 8. November 2016

Wechselvolle Geschichte

Heute liegt das stattliche Anwesen etwas versteckt hinter dicht gewachsenen Bäumen. In der grünen Jahreszeit ist es daher gar nicht immer so richtig zu sehen. Dennoch erkannten einige ST-Leser, dass das historische Foto am vergangenen Samstag das Gebäude am Odentaler Weg zeigt, das lange als Rechenzentrum der Stadt diente und in dem zuvor ein Kinder- und Erholungsheim zu Hause war. Heute befindet es sich in Privatbesitz. Wo die Stadt einst ihre Computer arbeiten ließ, finden sich heute Wohnungen. Die Stadt hatte das Objekt im Zuge der Zentralisierung ihrer Dienste verkauft.

Solinger Tageblatt, 2. Dezember 2016

Die Mauern des Schweigens

Seit fast zehn Jahren beschäftige ich mich mit dem Schicksal ehemaliger Heimkinder. Ich habe über Behörden berichtet, die wegschauen, über angebliche Helferinnen und Helfer, die in Wirklichkeit die Misere erst verursachen, einiges wird heute noch vertuscht und verschwiegen. Manchmal habe ich solche Mauern des Schweigens eingerissen. Dafür bedankt sich heute ein ehemaliges Heimkind, das in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch (heute Step gGmbH Hannover) und in der Haasenburg gewesen ist. Ich freue mich, wenn solche Menschen wieder auf die Beine kommen.

Hier weiterlesen, Blog dir deine Meinung, 22. Dezember 2016


Baby gefesselt und geknebelt

Die Händchen haben noch nicht mal gelernt, etwas zu halten und wurden schon zusammengebunden, ebenfalls mit Klebeband. Wie oft, will man gar nicht vermuten. Die Bilder, die Bernhard Schubert, Leiter des Kinderheims „Kleine Strolche“ von dem wenige Monate alten Kind zeigt, das vor Kurzem in seine Obhut gebracht wurde, machen fassungslos. Es liegt gefesselt und geknebelt in seinem Bettchen, als es von der Polizei befreit wird. Sein erstes Weihnachtsfest wird es im Kinderheim in Graue verbringen – und ist nicht das Einzige. 

Kreiszeitung Asendorf, 22. Dezember 2016