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Freitag, 10. Mai 2024

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Heinz-Peter Tjaden
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Am 1. Februar 2021 umgezogen nach
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Donnerstag, 26. September 2019

Jugendämter 2019 (II)

Keine Fragen zu den Taten
Im Prozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz bei Lügde sollen heute (12.00 Uhr) Kinder als Zeugen aussagen.
Nachdem am Donnerstag zum Auftakt vor dem Landgericht in Detmold alle Angeklagten Geständnisse abgelegt hatten, sollen die Opfer nach Aussage ihrer Anwälte aber nicht zu den Taten befragt werden. Es gehe mehr darum, dass das Gericht sich ein Bild machen wolle, wie es ihnen heute gehe.
Merkur, 28. Juni 2019

Mutter im Hungerstreik
Sie will ihre Tochter wiedersehen. Parisa Jaghubian ist am Montagnachmittag vor dem Amtsgericht in Jever in den Hungerstreik getreten. Laut Medienberichten wolle sie so auf ihre familiäre Situation aufmerksam machen.
Denn die minderjährige Tochter der gebürtigen Iranerin Parisa Jaghubian befindet sich in der Obhut des Jugendamtes.
Wilhelmshavener Zeitung, 11. Juli 2019

Schutz vor sexualisierter Gewalt

NRW-Familienminister Stamp nimmt nach den Behördenfehlern im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde die Kommunen in die Pflicht. Wie er im WB sagt, müsste es in den Jugendämtern speziell geschulte Mitarbeiter für Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder geben. Manche Kommunen stünden da noch auf der Bremse, so der Minister. Stamp will, dass diese Experten künftig bei jeder Pflegeentscheidung hinzugezogen werden sollen. Der Schutz vor sexualisierter Gewalt müsse zusätzlich zum allgemeinen Schutz des Kindeswohls geprüft werden.

Radio Bielefeld, 22. Juli 2019

Das Erinnerungsvermögen
Die Stadt Wilhelmshaven überprüft wegen meiner Dienstaufsichtsbeschwerde die Vorgänge rund um die Durchsuchung meiner Wohnung im Auftrag des Wilhelmshavener Jugendamtes aufgrund der Unterlagen des Jugendamtes und kann im Juli 2013 nicht mehr feststellen, was warum geschehen ist?
Da ich über den Fall im Internet berichte, stellen die beiden Polizeibeamten, die sich bei der Wohnungsdurchsuchung falsche Namen gegeben haben, gegen mich Strafantrag und scheitern damit in zweiter Instanz. Doch einer der beiden Polizisten verklagt mich auch privat.
Hier weiterlesen 27. Juli 2019

Jugendämter zocken Heim- und Pflegekinder ab

Jugendliche, die im Heim oder in einer Pflegefamilie leben, müssen bis zu drei Viertel ihres Einkommens an das Jugendamt abgeben. Viele Betroffene finden das unfair, kommen finanziell kaum auf die Beine. Und Kritiker sagen: Es entmutigt die jungen Berufstätigen, arbeiten zu gehen.

Deutschlandfunk, 4. August 2019

Erstmals Anstieg

Mehr Verdachtsfälle von Kindesmisshandlung haben die Jugendämter im vergangenen Jahr beschäftigt. Die Zahl der sogenannten Inobhutnahmen aus diesem Grund stieg um ein Viertel auf mehr als 6150, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Erstmals seit Einführung der Statistik im Jahr 1995 seien Anzeichen für körperliche oder psychische Misshandlung mit 8,3 Prozent die dritthäufigste Ursache für das Einschreiten der Behörden gewesen.

Deutsche Presseagentur, 16. August 2019

Jugendämter sparen Geld

Das Netzwerk fordert in dem offenen Brief, dass die Einsparungen der wirtschaftlichen Jugendhilfe möglichst vollständig für Inklusion Verwendung finden. „Wenn Eltern vom Freistaat einen Zuschuss für den Beitrag zur Kita erhalten, muss das örtliche Jugendamt weniger Zuschüsse an jene leisten, die unter einem bestimmten Einkommen liegen. Die Landesmittel führen damit zu Einsparungen auf Ebene der Kommunen“ beschreibt Gewerkschaftssekretär Mario Schwandt den Hintergrund. Mit diesen Mitteln solle nach Ansicht der Verfasser des Briefes dringend die Inklusion in der frühkindlichen Bildung verbessert werden, die allen Kindern zugutekommen würde.

Bildungsklick, 30. August 2019 

Kind stirbt, bevor das Jugendamt hilft

Nach dem Tod eines Kleinkindes Ende Juli steht das Jugendamt der Politik am Dienstagnachmittag (3. 9.2019) Rede und Antwort. Der Jugendhilfeausschuss informiert sich über die Rolle des Jugendamtes in diesem Fall und über Qualitätsstandards in Essen. Der zweijährige Junge war nach einem Hitzeschock in seinem Zimmer gestorben, wo er stundenlang alleine eingeschlossen gewesen sein soll.

Die Familie war dem Jugendamt bekannt. Eine geplante Betreuung von Eltern und Kindern durch den sozialen Dienst kam zu spät - der Junge starb wenige Tage vor dieser Maßnahme. Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt wegen Mordes gegen den Vater des kleinen Jungen.

WDR, 3. September 2019

Jugendämter vermitteln Kinder an Pädophile

Berge von Akten wurden gewälzt: Akten aus der Wohnung des verstorbenen Peinigers, Akten aus dem Jugendamt von Tempelhof-Schöneberg. Das Ende der Suchaktion ist ernüchternd: Die Ermittlungen wurden eingestellt. Die Rede ist von dem Versuch der juristischen Aufarbeitung eines Kindesmissbrauchs unter staatlicher Obhut: 30 Jahre lang bis mindestens 2003 gaben Jugendämter Kinder und Jugendliche zu pädophilen Pflegevätern.

Tagesspiegel, 4. September 2019

Erschreckende Einstellung

Der ehemalige Abteilungsleiter der Kinder- und Jugendhilfe der Hamburger Sozialbehörde, Wolfgang Hammer, nimmt an, dass durch die schlimmen Misshandlungsfälle der vergangenen Jahre die Jugendamtsmitarbeiter stark verunsichert sind: "Ich habe Aussagen von Leitungsebenen, die wären vor zehn Jahren unmöglich gewesen: Lieber zehn Kinder mehr in Obhut nehmen als notwendig ist, oder ins Heim geben, als eins zu wenig." Die Heimunterbringung aber könne schlimme Folgen für die Kinder haben und dürfe nur das allerletzte Mittel sein.

ZDF, 11. September 2019 


Nicht einfach festzustellen
Im Landkreis Göttingen sind die KWG (Kindeswohlgefährdungen) im Vergleich zum Vorjahr hingegen gefallen, teilt Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann mit. 2018 seien 213 neue Fälle erfasst worden, drei Prozent weniger als 2017 (220 Fälle). 2018 stufte das Jugendamt 34 Fälle davon als akut ein, 2017 waren es insgesamt 44 (ein Rückgang um 23 Prozent).

„In den wenigsten Fällen ist eine Kindeswohlgefährdung einfach und eindeutig festzustellen“, sagt Lottmann. Für eine Einschätzung müssten verschiedene Faktoren und deren Zusammenwirken betrachtet werden. Die Mitarbeiter vom Allgemeinen Sozialen Dienst seien geschult, um komplexe Situationen einschätzen zu können.
Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, 25. September 2019

Jugendämter 2019 (III)

Freitag, 2. November 2018

Der Flickenteppich

Das Paul-Löbe-Haus in Berlin. 
Heimkinder wollen mehr
"Sicher ist, dass alle Versuche der Aufklärung von Missbräuchen einem Flickenteppich gleichen, dem ein Flicken nach dem anderen erst dann hinzugefügt wird, wenn erneute Fakten auf dem Tisch liegen und nicht mehr strittig sind."
Heißt es in einer Stellungnahme des Vereins ehemaliger Heimkinder (V.e.H.) zu der von der katholischen Kirche veröffentlichten Studie über Missbrauch in Kinderheimen. Zu diesem Flickenteppich gehören diesem Verein zufolge aber auch Medikamentenversuche. 
Diesem Thema will sich die Bundestagsfraktion der Linken am 14. Dezember in Berlin widmen. Das Motto des Fachgespräches, das um 11.30 Uhr in den Räumen des Bundestages beginnt, lautet "Arzneimittel- und Menschenversuche an Heimkindern in den 1950er- bis 1970er-Jahren: Endlich Transparenz und Entschädigungen schaffen". Bereits um 10 Uhr findet im Paul-Löbe-Haus eine Pressekonferenz statt. 
Auf dem Podium sitzen die Autorin Sylvia Wagner, die sich mit Arzneimittelstudien an Heimkindern beschäftigt hat, die 1. V.e.H.-Vorsitzende Heidi Dettinger, der Neurowissenschaftler Dr. Burkhard Wiebel, der Jurist Professor Dr. Jan Bruckermann, der Menschenrechtler Professor Jürgen Eilert, die V.e.H.-Sprecherin Doris Petras und die Bundestagsabgeordneten Sylvia Gabelmann (Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte), Norbert Müller (Sprecher für Kinder- und Jugendpolitik), Friedrich Straetmanns (rechtspolitischer Sprecher) und Susanne Ferschl (stellvertretende Fraktionsvorsitzende).    
Ich bin zu dieser Veranstaltung eingeladen worden. 

Samstag, 24. Dezember 2016

Heimnachrichten 2016

Medikamententests an Heimkindern

Als Scheidungskind war Marion Greenaway 1972 in den Birkenhof abgeschoben worden, ein geschlossenes Mädchenheim in Hannover. Monatelang musste die 14-Jährige täglich Tabletten einnehmen, obwohl sie, wie sie heute sagt, kerngesund war: "Warum ich die kriegte, weiß ich nicht. Ich war nie krank in meinem Leben."

Spiegel online, 2. Februar 2016

Kommission untersucht Missbrauchsfälle

Die Missbrauchsfälle in der Odenwaldschule und in der Katholischen Kirche haben die Öffentlichkeit wachgerüttelt. Eine unabhängige Kommission soll diesen und anderen Fälle von sexueller Gewalt gegenüber Kindern auf den Grund gehen. Vorsitzende ist mit Prof. Dr. Sabine Andresen eine Forscherin der Goethe-Universität. FNP-Mitarbeiter Thomas J. Schmidt hat sich mit ihr unterhalten.

Frankfurter Neue Presse, 15. Februar 2016

Einrichtung geschlossen

Das Landesjugendamt hat am Freitag eine Jugendeinrichtung in Flensburg wegen des Verdachts auf Drogenmissbrauchs geschlossen. Es habe Hinweise auf den Konsum harter Drogen gegeben, sagte der Sprecher des Sozialministeriums, Frank Lindscheid, am Samstag. In der Einrichtung in der Wrangelstraße hätten zehn Bewohnerinnen gelebt, die nun anderweitig untergebracht worden seien.

Flensburger Tageblatt, 5. März 2016

Missbrauch in Evangelischer Brüdergemeinde

Beifall für Ulrich Weber: rund 20 Erwachsene, die als Heimkinder Opfer von sexuellem Missbrauch, von physischer und psychischer Gewalt in den Einrichtungen der Evangelischen Brüdergemeinde wurden, applaudierten am Samstag dem Juristen. Der Anwalt klärt derzeit die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen auf und war auf Bitten von Detlev Zander gekommen. Er erklärte, dass sich Zander wie alle anderen Opfer auch im Rahmen der Aufarbeitung „für nichts rechtfertigen muss“. Zander hatte die Vorfälle 2014 öffentlich gemacht.

Leonberger Kreiszeitung, 7. März 2016

Wieder am Anfang

Zander lässt sich nicht beirren von der Tatsache, dass die Aufarbeitung von physischer und psychischer Gewalt in den Kinderheimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal in den 1940er Jahren bis in die 70er Jahre wieder am Anfang steht.

Stuttgarter Nachrichten, 17. März 2016

Heimkinder werden weggeschlossen

Die bayerische Sozialministerin hat Vertreter der Heimaufsichtsbehörden heute ins Ministerium einbestellt. Damit reagiert Emilia Müller auf Enthüllungen von BR Recherche, dass Kinder in bayerischen Heimen weggeschlossen werden.

Bayerischer Rundfunk, 7. April 2016

Probleme mit der Volljährigkeit 

Das Inselhaus widmet sich diesem Thema an seinem bevorstehenden Geburtstag: 35 Jahre ist es her, seit Dörte Sambraus ihr Erbe in Höhe von zwei Millionen Mark in die Hand genommen hat, um sich ihren Traum von der Kinderhilfe zu erfüllen. Die sollte benachteiligten und durch familiäre Umstände in ihrer Entwicklung beeinträchtigten jungen Leuten zugute kommen. Sambraus kaufte das Anwesen in Eurasburg, in dem heute das Kinderheim angesiedelt ist. Die Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe betreut heute 110 Kinder und Jugendliche, 70 stationär.

Süddeutsche Zeitung, 9. Mai 2016

Revision nach Verurteilung

Nach der Verurteilung des früheren pädagogischen Leiters eines Kinderheims im Landkreis Lüneburg wegen sexuellen Missbrauchs haben seine Verteidiger Revision eingelegt. Ein entsprechendes Schreiben sei eingegangen, teilte eine Sprecherin des Landgerichts Lüneburg am Freitag mit. Die 3. große Jugendkammer des Gerichts hatte den 47-Jährigen vor gut einer Woche zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Er soll zwei Jungen in der kleinen Einrichtung missbraucht haben.

Deutsche Presseagentur, 27. Mai 2016


Zwölfjähriger stiehlt Auto-will zur Mutter

Er hatte wohl Heimweh und wollte zu seiner Mutter - deshalb hat ein zwölfjähriges Kind aus einer Wohngruppe in Neuruppin seinem Betreuer das Auto gestohlen und ist nach Berlin gefahren. Offensichtlich habe der Junge seine Mutter besuchen wollen, sagte ein Sprecher der Polizei am Sonntag. Das Kind hatte vorher in Berlin gelebt.

rbb, 12. Juni 2016


Wird Kinderheim Dahlenburg geschlossen?

Weil der ehemalige pädagogische Leiter des Kinderheims Dahlenburg (Landkreis Lüneburg) ins Gefängnis muss, könnte die Einrichtung ihre Betriebserlaubnis verlieren. Grund ist nicht etwa die Verurteilung des Mannes zu sechs Jahren Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs an zwei Heimjungen. Vielmehr geht es darum, dass der 47 Jahre alte Pädagoge das Heim mit seiner Lebensgefährtin als "familienanaloge Wohngruppe" angemeldet hatte. Dieses Merkmal sei nun nicht mehr gegeben, sagte der Sprecher des Landessozialamts in Hildesheim, Michael Haase.


NDR, 16. Juni 2016

Heimkind legt mehrere Brände

Ein 14 Jahre alter Junge hat in einem Kinderheim im thüringischen Nordhausen vermutlich aus Wut mehrere Brände gelegt. Fünf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 17 Jahren wurden mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht, wie eine Polizeisprecherin sagte.

Spiegel online, 8. Juli 2016

Zehn-Punkte-Programm für Verbesserungen

Das Ministerium war im April von einem Bericht des Bayerischen Rundfunks über eingeschlossene Kinder und Jugendliche in bayerischen Heimen aufgeschreckt worden und hatte alle Einrichtungen überprüft. Mit einem Zehn-Punkte-Plan soll die Situation nun weiter verbessert werden. So sollen Eltern beispielsweise stärker einbezogen werden.

Bayernkurier, 4. August 2016


Aus Heim ausgerissen

Die Zugbegleiterin informierte die Polizei. In Eisenhüttenstadt angekommen, wartete eine Polizeistreife auf die beiden Kinder. Es hatte sich herausgestellt, dass die beiden Jungen in einem Kinderheim in Frankfurt (Oder) untergebracht sind und dort bereits vermisst wurden.

Märkische Allgemeine, 11. August 2016

Korntaler Kinderheime: Mediatoren eingeschaltet

Neuer Anlauf: Die Fälle von physischer und psychischer Gewalt in den Korntaler Kinderheimen sollen aufgearbeitet werden. Doch zunächst sind zwei Mediatoren aus Frankfurt gefragt. Sie sollen die zerstrittenen Betroffenen, die evangelische Brüdergemeinde und deren ehemalige Mitarbeiter an einen Tisch bringen.

Stuttgarter Zeitung, 12. September 2016

Grüne fordern Richtervorbehalt

Nach der Landespolitik reagiert nun auch die Bundespolitik auf die BR-Recherche zu den freiheitsbeschränkenden Maßnahmen in bayerischen Kinderheimen. Die Grünen im Bundestag fordern in einem Gesetzentwurf, den Richtervorbehalt einzuführen.

Bayerischer Rundfunk, 27. September 2016

Missbrauch in Hamburger Kinderheim

In einem Hamburger Kinderheim hat es Anfang der 80er-Jahre offenbar mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch gegeben. Betroffen ist der Margaretenhort im Stadtteil Harburg, wie NDR 90,3 berichtete. Nach Angaben des Kirchenkreises Hamburg-Ost haben zwei ehemalige Bewohnerinnen den Fall ins Rollen gebracht.

NDR, 25. Oktober 2016

Medikamententests: Aufklärung dauert

In einem ersten kurzen Bericht an den Gesundheitsausschuss des Landtages hat Ministerin Barbara Steffens am Mittwoch (26.10.2016) zu den Veröffentlichungen über Medikamententest an Heimkindern Stellung bezogen. Die Grünenpolitikerin versicherte, schnellstmöglich für Aufklärung zu sorgen. Allerdings lägen bis auf die Studie der Krefelder Pharmakologin Sylvia Wagner keine Informationen vor. "Wir stehen da am Anfang", sagte Steffens.

WDR, 26. Oktober 2016

Medikamenten-Tests auch in Marburg

Bei den Marburger Einrichtungen handelt es sich um die damaligen Kinderheime Bethanien und St. Elisabeth. Laut einer Arzneimittelstudie aus dem Jahr 1963, die hr-iNFO und hessenschau vorliegt, wurde dort an 30 Mädchen und Jungen ein Impfstoff gegen Kinderlähmung getestet. Die Heimkinder waren demnach sechs Monate bis elf Jahre alt.

Hessenschau, 8. November 2016

Wechselvolle Geschichte

Heute liegt das stattliche Anwesen etwas versteckt hinter dicht gewachsenen Bäumen. In der grünen Jahreszeit ist es daher gar nicht immer so richtig zu sehen. Dennoch erkannten einige ST-Leser, dass das historische Foto am vergangenen Samstag das Gebäude am Odentaler Weg zeigt, das lange als Rechenzentrum der Stadt diente und in dem zuvor ein Kinder- und Erholungsheim zu Hause war. Heute befindet es sich in Privatbesitz. Wo die Stadt einst ihre Computer arbeiten ließ, finden sich heute Wohnungen. Die Stadt hatte das Objekt im Zuge der Zentralisierung ihrer Dienste verkauft.

Solinger Tageblatt, 2. Dezember 2016

Die Mauern des Schweigens

Seit fast zehn Jahren beschäftige ich mich mit dem Schicksal ehemaliger Heimkinder. Ich habe über Behörden berichtet, die wegschauen, über angebliche Helferinnen und Helfer, die in Wirklichkeit die Misere erst verursachen, einiges wird heute noch vertuscht und verschwiegen. Manchmal habe ich solche Mauern des Schweigens eingerissen. Dafür bedankt sich heute ein ehemaliges Heimkind, das in der Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch (heute Step gGmbH Hannover) und in der Haasenburg gewesen ist. Ich freue mich, wenn solche Menschen wieder auf die Beine kommen.

Hier weiterlesen, Blog dir deine Meinung, 22. Dezember 2016


Baby gefesselt und geknebelt

Die Händchen haben noch nicht mal gelernt, etwas zu halten und wurden schon zusammengebunden, ebenfalls mit Klebeband. Wie oft, will man gar nicht vermuten. Die Bilder, die Bernhard Schubert, Leiter des Kinderheims „Kleine Strolche“ von dem wenige Monate alten Kind zeigt, das vor Kurzem in seine Obhut gebracht wurde, machen fassungslos. Es liegt gefesselt und geknebelt in seinem Bettchen, als es von der Polizei befreit wird. Sein erstes Weihnachtsfest wird es im Kinderheim in Graue verbringen – und ist nicht das Einzige. 

Kreiszeitung Asendorf, 22. Dezember 2016

Dienstag, 22. November 2016

Stiftung gegründet

Entschädigungen für weitere Heimkinder

Hannover. Künftig haben deutlich mehr Menschen, denen als Heimkindern Leid zugefügt wurde, Anrecht auf Entschädigung. Die Niedersächsische Landesregierung hat am (heutigen) Montag der Gründung der Stiftung „Anerkennung und Hilfe" durch den Bund, die Länder und die Kirchen zugestimmt. 

Die Stiftung wird Hilfen für Menschen anbieten, die als Kinder oder Jugendliche in den Jahren 1949 bis 1975 (in der ehemaligen DDR bis 1990) in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in stationären psychiatrischen Einrichtungen Unrecht erfahren ha­ben. 

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt sagte: „Endlich erhalten auch die Men­schen Aufmerksamkeit und Entschädigungen, denen in dieser Zeit in stationären Einrichtun­gen der Behindertenhilfe oder Psychiatrien Leid zugefügt wurde." Sie seien von den beste­henden Fonds „Heimerziehung West" und „Heimerziehung in der DDR" ausgeschlossen. Sie sei sehr froh, dass sich Bund, Länder und Kirchen auf dieses Hilfesystem einigen konnten.

Die Stiftung soll im Januar 2017 ihre Arbeit aufnehmen. Betroffene können sich bis Ende 2019 melden. Dazu wird das Land Niedersachsen eine qualifizierte Anlauf- und Beratungs­stelle einrichten, die ihnen beratend, begleitend und unterstützend zur Seite steht. Mit den erforderlichen Arbeiten ist bereits begonnen worden.


Das Hilfesystem der Stiftung „Anerkennung und Hilfe" sieht nicht nur einmalige pauschale Geldleistungen in Höhe von 9.000 Euro sowie gegebenenfalls Rentenersatzleistungen in Höhe von bis zu 5.000 Euro für die betroffenen Menschen vor. Die vorgesehene öffentliche Anerkennung des erlittenen Leids und Unrechts sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschehnisse in den genannten Einrichtungen sind weitere wichtige Aufgaben der Stif­tung. 

Sozialministerin Rundt: „Zur individuellen Anerkennung gehört neben den Geldleistun­gen auch, dass betroffene Menschen die Gelegenheit haben werden, über ihr Schicksal zu sprechen - ein wichtiger Aspekt des Hilfesystems."

Freitag, 22. März 2013

Unseriös

Schadet allen - auch den Heimkindern

Googelt man Vereine und Organisationen, die sich tatsächlich oder angeblich um Heimkinder kümmern, dann findet man viele Organisationen. Einige haben lediglich eine Handvoll Mitglieder, veröffentlicht wird alles, es muss nur grausam genug klingen. Die meisten Behauptungen halten einer Recherche nicht stand, denn in den meisten Heimen von heute geht es anders zu als in Heimen früherer Jahre.

Der Pressesprecher einer dieser Vereine hat mir heute eine mail geschickt. Gebeten werde ich um Informationen über "Pole Poppenspäler" in Sankt Peter-Ording. Ein Link in dieser mail führt zu einem Interview, das ein Vater gegeben hat. 80 Minuten lang erzählt er seine Geschichte, die mir hinlänglich bekannt ist, weil mich dieser Mann mehrfach angerufen hat.  Nach Angaben dieses Pressesprechers wird in diesem Interview irgendwann auch mein Name erwähnt. So weit bin ich allerdings nicht gekommen, denn ich habe keine Lust, mir bestimmte Geschichten immer wieder anzuhören.

In dieser mit meinem Namen verbundenen Interviewpassage soll es um "Pole Poppenspäler" in Sankt Peter-Ording gehen. Über dieses Heim habe ich in diesem blog berichtet, weil diese Einrichtung ein Paket, das in meinem Namen an ein Mädchen geschickt worden ist, an mich zurückgeschickt hat. Ein Paket, das ich selbst abschickte, ist bis heute verschollen. Offenbar werden Geschenke Dritter an Heimkinder bei "Pole Poppenspäler" nicht gern gesehen. Warum das so ist, weiß ich nicht.

Ebenso rätselhaft ist mir, warum jemand ein Interview veröffentlicht, in dem Namen genannt werden, die Betroffenen aber nicht gefragt werden, ob sie sich mit dem Inhalt des gesamten Gespräches identifizieren können. Mir liegt kein einziges Dokument vor, mit dem der Wahrheitsgehalt der Behauptungen dieses Vaters belegt wird.

Darauf lege ich aber großen Wert. Ich will keine Räuberpistolen zücken. Wenn es Missstände gibt, dann müssen sie aufgeklärt werden. Diese Aufklärung wirkt aber nur bei seriöser Arbeit. Wie die wirkt, zeigt gerade das Beispiel eines Sozialpädagogen aus Lüneburg, der derzeit die Verleumdungspalme rauf und runter läuft, meine Recherchen über ein ehemaliges Kinderheim in Holzen bei Holzminden haben sogar die Staatsanwaltschaft und andere Ermittler beeindruckt, ich habe so manches Jugendamt aufgescheucht, ich helfe Eltern mit Rat und Tat. Unzählige Versuche, mich vor Gericht mundtot zu machen, sind gescheitert. Auch Sekten bissen sich an mir die Zähne aus.

Das soll so bleiben...

Montag, 21. Februar 2011

Ein Fürsprecher?

21. Februar 2011
Sekten-Anwalt zeigt Papst an

"Inzwischen musste ich leider feststellen, dass Du auf dem Weg bist, all das, woran Du früher geglaubt hast, in der Öffentlichkeit mies zu machen und die Frau, die Dir lange Vorbild war, in den Schmutz zu ziehen. Du verrätst damit nicht nur Deine ehemaligen Freunde, die Du ziemlich übel verleumdest, sondern auch Dich selbst. Gegenwärtig kommst Du Dir vielleicht wichtig vor, weil ein bisschen Scheinwerferlicht auf Dich fällt; doch wenn die Lampen wieder ausgehen, wird Dir Deine erbärmliche Rolle eines Tages bewusst werden."

Hat ein Rechtsanwalt aus Marktheidenfeld am 29. Oktober 2003 an einen Aussteiger aus der Sekte "Universelles Leben" geschrieben. Die wird geleitet von der "Prophetin" Gabriele Wittek, die nach ihren Angaben ihren religiösen Auftrag von Jesus bekommen hat. Angeblich verkörpert sie das "absolute Gesetz". Ergo: Es handelt sich um ein totalitäres System, das nach Auffassung der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen ihre Mitglieder finanziell aussaugt und psychisch schädigt. In jüngster Zeit ist es still geworden um diese "Prophetin".

Doch dieser Sekten-Anwalt haut wieder auf die Pauke. Vor einer Woche hat er vor dem Internationalen Staatsgerichtshof in Den Haag Strafanzeige gegen Papst Benedikt XVI. erstattet. Die seit Mitternacht im Netz stehende deutsche Übersetzung kursiert bereits unter ehemaligen Heimkindern.

Die Strafanzeige umfasst 59 Seiten und ist gegliedert in "Das angsterregende Kirchenregiment", "Das mörderische Kondomverbot" und "Die Schirmherrschaft über die Sexualdelikte des Klerus".

Strafanzeigen gegen Päpste sind nichts Neues. Johannes Paul II. wurde am 5. März 2002 wegen des Kondom-Verbotes "Anstiftung zur schweren Körperverletzung" vorgeworfen, zwei Briten forderten im April 2010 die Festnahme von Benedikt XVI, sobald dieser englischen Boden betreten habe.

Sogar Jesus soll den Papst schon verklagt haben. Und zwar am 26. März 2010 wegen "sexuellem Missbrauch". Behauptet ein Niedersachse, der auf seinen Internet-Seiten versichert "Ich, Jesus Christus, bin mit dem Namen Ralph Schulze in Sarstedt wiedergeboren".

Ob ausgerechnet ein Sekten-Anwalt, der sonst totalitäre religiöse Systeme verteidigt, ein geeigneter Fürsprecher für ehemalige Heimkinder und Missbrauchsopfer sein kann, ist die eine Frage. Die andere Frage ist: Kann über solch einen Strafantrag überhaupt verhandelt werden? Grundsätzliche Zweifel daran hat Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck am 14. April 2010 in einem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur geäußert. Kaleck ist auch Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights. Der müsste es eigentlich wissen.

Mittwoch, 25. August 2010

Kein Kinderhaus?

25. August 2010
Auch ehemalige Heimkinder machen mobil gegen Heimkinder

Sogar ein Verein, der von ehemaligen Heimkindern gebildet wird, macht mobil gegen eine neue Bleibe für Heimkinder. Sitz dieses Verbandes ist Mönchengladbach. Geschildert wird auf den Seiten dieses Vereins das Schicksal von Kindern, die in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen misshandelt und missbraucht worden sind.

Das bekam kaum jemand mit, weil Heimkinder am Rand der Geellschaft lebten und auch dort bleiben sollten. Für immer und ewig. Bis der Bundestag einen Runden Tisch gebildet hat, der dieses Thema öffentlich macht. Viele Sitzungen haben schon stattgefunden - alles für die Katz´? Ehemalige Heimkinder bilden eine Front gegen Heimkinder von heute?

Einfluss nehmen kann dieser Verein allerdings nicht, nur eine schäbige Nebenrolle spielen ist möglich. Denn: Das neue Kinderhaus soll im Dezember in Bonn-Medinghoven von neun Drei- bis Zwölfjährigen bezogen werden. Dann käme Leben in einen Bungalow am Kannheideweg.

Das aber will ein Nachbar nicht. Der hat zwei Kinder. Seit Juli 2010 protestiert der auch im Internet gegen dieses Vorhaben. 200 Verbündete will er finden, möglicherweise sogar klagen. Die evangelische Jugendhilfe Godesheim kann sich den Mund fusselig reden, das Jugend- und das Bauamt auch. Der Nachbar bleibt dabei: Dies hier ist ein Paradies, mit einem Kinderhaus würden wir aus diesem Paradies vertrieben werden.

Und wo sollen die Drei- bis Zwölfjährigen bleiben, deren altes Haus zu klein geworden ist? Ist ihm egal, sagt dieser Nachbar laut "Generalanzeiger" vom 15. Juli 2010. Jenem Verein aus Mönchengladbach scheint das ebenfalls gleichgültig zu sein. Genutzt wird jedes mögliche Vorurteil. Von beiden Seiten - dass ehemalige Heimkinder dieses Spiel mitmachen, das ist unglaublich.

Mittwoch, 4. März 2009

Runder Tisch

26. November 2008
Runder Tisch als "kleine Wahrheitskommission"

„Warum hat man mir das angetan? Warum wurde ich 17 Jahre lang eingesperrt?“ Diese Fragen kommen nur schwer über die Lippen des ehemaligen Heimkindes Richard Suckert. Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages hat heute die Bildung eines Runden Tisches beschlossen, den Vorsitz übernimmt die ehemalige Bundestagsabgeordnete Antje Vollmer, dafür hat sie Lob vom Bundestagspräsidenten Norbert Lammert bekommen: „Das ist eine schwierige Aufgabe.“

Bei einer öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses berichteten ehemalige Heimkinder über sexullen Missbrauch, Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen, sie sprachen über ein „dunkles Kapitel deutscher Sozialgeschichte“. Auch die Verweigerung von Bildung sei eine Menschenrechtsverletzung.

Die hat auch Wolfgang Focke in einem nordrhein-westfälischen Kinderheim erfahren: „Das Lesen habe ich mir selbst beigebracht. Schreiben kann ich immer noch nicht.“ Man habe seine Jugend „kaputt gemacht und seine Seele zerstückelt“.

Seine Ausführungen liest er von einem Blatt Papier ab, vom Petitionsausschuss fordert er die Bildung eines Fonds, in den alle betroffenen Träger und Einrichtungen, Kirchen, Firmen, die von Heimkinderarbeit profitiert haben, und der Staat einzahlen sollten. Jedem ehemaligen Heimkind stehe Schmerzensgeld und eine Zuzahlung zur Aufstockung geringer Renten zu.

Über zwei Jahre hat sich der Petitionsausschuss mit dem Thema „schwarze Pädagogik“ in Kinderheimen während der 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre beschäftigt, der Bundestagspräsident nennt es „ärgerlich“, dass es so lange gedauert habe, Antje Vollmer stuft den Runden Tisch als „kleine Wahrheitskommission“ ein, die nun vier Schritte gehen müsse: 1. Den Betroffenen genau zuhören, 2. Die damalige Heimerziehung einordnen und vergleichen, 3. Mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten und 4. Lösungsvorschläge erarbeiten.

Für Richard Suckert steht fest: "Wir brauchen nicht zu lügen. Wir sagen die Wahrheit."

27. November 2008
Offener Brief

Sehr geehrte Frau Dr. Vollmer,

der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages hat gestern nach über zweijähriger Beschäftigung mit dem Thema die Bildung eines Runden Tisches beschlossen, Sie sind die Schirmherrin und haben für die künftige Arbeit vier Schritte genannt. Der erste sei, den ehemaligen Heimkindern genau zuzuhören.

Das mache ich als Redakteur seit über einem Jahr. Damals flatterte mir ein Strafantrag der Aachener Staatsanwaltschaft gegen elf ehemalige Heimkinder auf den Schreibtisch. Bezichtigt wurden sie des versuchten Betruges. Dahinter steckte ein katholischer Orden, der bis heute nicht einmal zu einer Entschuldigung bei ehemaligen Heimkindern bereit ist. Mit diesem Strafantrag erlitt die Staatsanwaltschaft eine Bauchlandung.

Die dritte große Strafkammer des Landgerichtes Aachen unter Vorsitz von Richter Wilke prüfte jeden Einzelfall und kam zu dem Ergebnis, dass manche Schilderungen ehemaliger Heimkinder übertrieben sein mögen, aber es sei so viel Zeit vergangen, dass eine stichhaltige Überprüfung nicht mehr möglich sei. Vom Vorwurf des versuchten Betruges wurden die elf Heimkinder befreit. Die Kosten des Verfahrens trug der Steuerzahler.

Als ich mich mit diesem Fall beschäftigte, machte ich zum ersten Mal die Erfahrung, dass meine Fragen wohl in irgendeinem Papierkorb verschwanden. Das sollte so bleiben. Ende 2007 bekam ich eine 31-seitige Petition an das Europäische Parlament. Dabei ging es um ein Mädchen, das seit über vier Jahren in einem Kinderheim lebt. Die Eltern aus Mönchengladbach sind seither verzweifelt bemüht, ihr Kind wieder zu bekommen.

Der Oberbürgermeister von Mönchengladbach verweigerte ein Gespräch, die Einrichtung, in der dieses Mädchen lebt, schickte mich von Pontius zu Pilatus, die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär versprach zwar Hilfe, aber dann reagierte sie nicht mehr. Bundesfamilienministerin Dr. Ursula von der Leyen zollte mir in einem persönlichen Brief Respekt, als ich ihr weitere Informationen zukommen lassen wollte, bekam ich meine Post ungelesen zurück. Als ich deswegen nachhakte, wurde eine Mauer des Schweigens errichtet.

Diese Eltern aus Mönchengladbach haben inzwischen vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf obsiegt, das ist fast schon wieder ein halbes Jahr her. Das Mädchen ist immer noch in diesem Heim…

Anfang des Monats war ich für ein paar Tage in Holzen bei Holzminden. Dort gab es von 1955 bis 1972 ein Kinderheim, in dem so entsetzliche Dinge geschehen sein müssen, dass sie kaum noch zu fassen sind. Ich gewann das Vertrauen ehemaliger Heimkinder, ein Kollegen zog mit mir an einem Strang. Dieser Satz eines ehemaligen Heimkindes war typisch: „Ich will kein Geld von der Kirche. Was die mir angetan haben, können die nie wieder gut machen.“

Es war an einem Sonntag in diesem Oktober, als mich ein ehemaliges Heimkind anrief. Dieser Anrufer ist inzwischen 68 Jahre alt. Doch er leidet immer noch unter Schlafstörungen. Wenn er die Augen zumacht, hat er mir berichtet, sieht er immer noch die Erzieherin vor sich, die ihn damals gequält hat.

Dazwischen gibt es Sonntagsreden. In Niedersachsen existiert mittlerweile eine Studie über Kinderheime zur damaligen Zeit. Sofort bin ich auf einen konkreten Fall angesprochen worden. Als ich deshalb an die Landesbischöfin Dr. Käßmann schrieb, geschah, was immer geschehen ist: Es gab keine Antwort.

Geantwortet hat mir dagegen die Caritas. Das Berliner Büro versicherte mir im Juni 2008, dass jede meiner Fragen beantwortet werde. Das muss ich wohl zu wörtlich genommen haben…

Sehr geehrte Frau Vollmer, da der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages das Thema öffentlich gemacht hat, mache ich auch diesen Brief öffentlich. Vielleicht werfen Sie einmal einen Blick auf meine Seiten http://kinderinheimen.blogspot.com. Dort finden Sie Informationen in Hülle und Fülle. Außerdem gibt es von mir die Broschüre „Böse Kinder kommen in böse Kliniken“, erschienen bei http://stores.lulu.com/hwilmers.

Ich bin übrigens nicht in einem Heim aufgewachsen, sondern in einer großen Familie…

4. Dezember 2008
Presseerklärung der Grünen

Zufrieden zeigen sich Bündnis 90/Die Grünen über den heutigen Beschluss des Deutschen Bundestages, in dem das Unrecht und Leid, das Kindern und Jugendlichen in Heimen zwischen 1945 und 1970 widerfahren ist, anerkennt und zutiefst bedauert wird.

"Damit", so die sozialpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Kordula Schulz-Asche, "ist mit dem Runden Tisch ein großer Schritt getan, um den Heimkindern späte Gerechtigkeit zu Teil werden zu lassen. Die Anerkennung dieses Leids und Unrechts wird ein bedeutsames Signal an die Opfer, in die Gesellschaft hinein und an die Träger und ehemaligen Träger der Heime sein."

In einer Petition ehemaliger Heimkinder an den Bundestagspräsidenten war über seelische und körperliche Misshandlungen berichtet worden. Sie beschrieben ausgeklügelte Strafsysteme und berichteten von lückenloser Überwachung rund um die Uhr. Die Schulbildung wurde zugunsten von Arbeitseinsätzen vernachlässigt und die geleistete Arbeit gar nicht oder nur in geringem Umfang entlohnt. Die Einweisung in die Heime erfolgte häufig unter Angabe von Gründen wie Arbeitsbummelei, sittliche Verwahrlosung oder Herumtreiberei aufgrund von Denunziation. Die historische Aufarbeitung ließ lange auf sich warten und längst noch nicht abgeschlossen.

"Hessen hat bei der Aufarbeitung dieses Leids und Unrechts eine wichtige Vorreiterrolle gespielt. Der Landeswohlfahrtsverband hat sich bereits am 5. April 2006 bei den Heimkindern entschuldigt und damit bundesweit Aufmerksamkeit erzielt. Diese Entschuldigung hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich auch andere Heimträger intensiv mit der eigenen dunklen Geschichte auseinandergesetzt haben", stellt Kordula Schulz-Asche fest.

7. Dezember 2008
Brutale Methoden als System

Ein runder Tisch soll die Misshandlungen an Heimkindern zwischen 1949 und 1975 aufarbeiten. Die brutalen Methoden hatten System, berichten Erzieher

Welt am Sonntag, 7. Dezember 2008

15. Dezember 2008
Die Leiden der Kinder von Glückstadt

Schläge, Missbrauch, Sadismus – was bis in die 70er Jahre Alltag vieler Heimkinder war, soll jetzt bundesweit aufgearbeitet werden – so hat es der Bundestag Anfang des Monats beschlossen. In Schleswig-Holstein ist man schon ein Stück weiter. Den auf Bundesebene noch einzuberufenden runden Tisch unter der Regie des Jugend- und Familienministeriums gibt es dort schon.

Tagesspiegel, 15. Dezember 2008

Dr. Antje Volmer
Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages a. D.
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Herrn
Heinz-Peter Tjaden
Krumme Straße 1
26384 Wilhelmshaven

15. Dezember 2008

Sehr geehrter Herr Tjaden,

Hiermit möchte ich Ihnen umgehend mitteilen, dass ich Ihre Zuschrift gelesen habe und Sie bitten, alles was Sie für die Arbeit des Ausschusses aus Ihrnr eigenen Erfahrungen wichtig finden, mir zuzusenden.

Sicher würde es meine Möglichkeiten bei Weitem übersteigen, für jeden Einzelfall eine gute Lösung zu finden. Aber den Betroffenen mit offenen Ohren ausführlich zuzuhören, ist der erste Schritt, dem wir uns verpflichtet haben. Die Arbeit des Runden Tisches wird beginnen, sobald alle Institutionen, die daran teilnehmen werden, ihre Vertreter benannt haben. Ich hoffe, dass das recht früh im Jahre 2009 möglich sein wird und danke Ihnen für Ihr Interesse.

16. Dezember 2008
Runder Tisch ab Januar 2009

Mit einem Runden Tisch unter der Führung der ehemaligen Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer will der Petitionsausschuss das zwischen 1945 und 1970 erlittene Leid von über 200 000 Heimkindern aufklären. Der Runde Tisch zur Aufarbeitung der Heimerziehung in der Bundesrepublik soll voraussichtlich beim Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge angesiedelt werden. Das sagte der CDU-Sozialpolitiker Karl Schiewerling am Montag in Berlin. Er gehe davon aus, dass der Runde Tisch im Januar eingesetzt werde und dann seine Arbeit aufnehme.

Die Welt, 16. Dezember 2008

Berichterstattung wird hier fortgesetzt

Wann werden sie Thema?

Der Runde Tisch beschäftigt sich mit dem Schicksal von Heimkindern in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren. Doch auch später hat es Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch gegeben.

Erstes Beispiel:

Auch ich wurde im Kinderheim körperlich misshandelt und im Internat sexuell misshandelt. Auch ich bin ein Opfer, das immer noch damit zu kämpfen hat, was ihm angetan wurde.

Mehr hier

Die Geschichte von Schloss und Internat

Sonntag, 30. November 2008

Menschen des Jahres

30. November 2008
Betr. "Menschen des Jahres"
Heimkinderverband schickt diese mail an die "Wilhelmshavener Zeitung"

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Mut und mit sehr viel Engagement setzt sich Heinz-Peter Tjaden für ehemalige Heimkinder ein, um die Verbrechen der 1950er- und 1960er-Jahre aufzuklären.

Der Bundestag hatte am 26.11.2008 diesbezüglich eine Sitzung einberufen.

Herr Tjaden setzt sich für gerechtes Aufwachsen in dieser Gesellschaft ein.

http://kinderinheimen.blogspot.com/

Weitere Publikationen:

Das tut sich an der Aue

Alltägliche Betrachtungen

Merkelpotanien - das Land aus Milch
und Honig

Im Heim zu Hause?

Buchstabenleben

Internette Zeitung vom Jadebusen

Feuer und Flamme

Kommissar Internet

1968 - Blumen im Haar und Philishave am
Kinn

Zwischen Ems und Elbe

Wir dulden nicht, dass
Eberhard Menzel

Vom Wachtturm herunter

Hoffenheim - wir kommen

Rund um die Pille

Er ist Verfasser ironischer Kurzgeschichten

http://www.blogger.com/profile/16726798178990395383

Herr Tjaden ist Journalist und Buchautor

Siehe hier

Die Schattenseiten dieser verdienstvollen Arbeit sind kostenpflichtige Prozesse, die gegen ihn geführt werden, weil Organisationen über diese Mittel verfügen.

Im Namen des Heimkinderverbandes Deutschlands schlage ich Herrn Tjaden für „Menschen des Jahres 2008“ vor.

Johann L. Beckers
Mönchengladbach

Noch eine mail

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,

hiermit schlagen wir den Online Journalisten

Heinz-Peter Tjaden
Krumme Straße 1
26384 Wilhelmshaven
04421/809286
heinzpetertjaden@arcor.de
http://kinderinheimen.blogspot.com/
http://2sechs3acht4.blogspot.com/

zum Menschen des Jahres 2008 vor.

Er hat sich mit seinen Beiträgen, die sich u.a. mit den Verirrungen von Heimsystemem beschäftigen, erheblich um Kinder verdient gemacht, wie auch um deren Eltern. Sein Ziel ist es Menschenrechte auch im Heim zu verwirklichen und mit der derzeit praktizierten Realität abzugleichen.

Bitte halten Sie uns unterrichtet.

Herzliche Gruesse

Franz Romer
Präsidiumsmitglied
Curare e. V. - Verein zur Förderung der Menschenrechte in Gesetzgebung und
Verwaltung -gemeinnützig- , Köln

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Gastbeiträge

9. Oktober 2008
Ehemalige Heimkinder: Kirchen immer noch zögerlich

Klaus Klüber hat die Seiten http://www.ex-heimkinder.de ins Netz gestellt. Er bat mich um Überarbeitung und Veröffentlichung dieses Beitrags:

Das Schicksal ehemaliger Heimkinder in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren ist wieder öffentliches Thema geworden. Aber immer noch wiegeln christliche Institutionen ab und sprechen von „bedauerlichen Einzelfällen“. Außerdem hüllen sich die Verantwortlichen in Schweigen, wenn diese Fragen gestellt werden: Bei welchem ehemaligen Heimkind hat man sich entschuldigt, welches ehemalige Heimkind hat eine Entschädigung bekommen?

Statt dessen werden Studien in Auftrag gegeben, als wisse man nicht, was damals in kirchlichen Kinderheimen geschehen ist. Fakt ist: Die Kirchen haben seinerzeit nicht nur mit der Betreuung einträgliche Geschäfte gemacht, sondern auch mit Zwangsarbeit.

Auf der anderen Seite hat es kaum eine individuelle Förderung von Heimkindern gegeben, Konzepte gab es nur selten, wer es mit Erzieherinnen und Erziehern zu tun bekam, die sich liebevoll um ihre Schutzbefohlenen kümmerten, hatte Glück gehabt.

Auch heute noch sind Personlichkeiten, die sich für die Rechte ehemaliger Heimkinder einsetzen, rar gesät. Ein Beispiel dafür sei mit der niedersächsischen Landesbischöfin Dr. Käßmann genannt. Die Zwischenergebnisse ihrer Forschungen lösten im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestag bei den Zuhörerinnen und Zuhörern tiefe Betroffenheit aus.

Aber: Eigentlich sind aufwändige Studien gar nicht erforderlich. Viele wussten, wie brutal es in manchen kirchlichen Kinderheimen zuging. Gewalt war bei Gruppen mit 15 bis 35 Kindern auch kaum zu vermeiden. Eltern, die zwei oder drei Kinder haben, können sicherlich nachvollziehen, wie schwer es schlecht ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher mit so vielen Kindern gehabt haben.

Deshalb geschah dies: Die Aggressionen der Gruppe wurden auf so genannte „schwarze Schafe“ gelenkt, an ihnen tobte man sich aus. Das scheint sich die katholische Kirche bis heute nicht vorstellen zu können, sie reagiert weltfremd und völlig abgehoben. Schuld gibt sie nur häppchenweise zu, immer noch führt sie die Öffentlichkeit an der Nase herum und macht einen Bogen um das, was viele ehemalige Heimkinder seinerzeit ertragen mussten: Haben sie für Zwangsarbeit nicht getaugt, wurden sie als bemitleidenswerte Geschöpfe präsentiert – und schon flossen die nächsten Spendengelder.

Ausgenutzt wurden aber nicht nur die Heimkinder, auch den Einsatzwillen und den Gehorsam von Erzieherinnen und Erziehern machten sich die Kirchen zunutze. So wurden fragwürdige Gewinne gemacht. Die einen arbeiteten für einen „Gotteslohn“ und unter miesen Bedingungen, die anderen hielten die Hand auf.

Fazit: Immer noch mangelt es vielen Kirchenvertretern an den Tugenden, die sie so prächtig predigen können.

Auch hier veröffentlicht

Freitag, 1. August 2008

Entschädigungen

30. März 2008
Caritas-Präsidenten beim Wort nehmen

Der Caritas-Präsident hat vor zwei Jahren allen in Heimen misshandelten Kindern eine Entschädigung versprochen. Nehmen Sie ihn beim Wort und tragen Sie in das Gästebuch Ihren Namen, das Heim, in dem Sie gelebt haben und die Dauer des Heimaufenthaltes ein. Beschreiben Sie bitte auch kurz Ihre Ansprüche. Ihre Nachrichten werden von mir an den Caritas-Präsidenten weiter geleitet.

Hier lesen: Caritas-Präsident bekommt Einschreiben

16. Juni 2008
Caritas antwortet

23. Juli 2008
Caritas drückt sich weiter: So sehen Helden aus?
Hier lesen

Das Gästebuch für Entschädigungsansprüche

1. Oktober 2008
Entschädigung auch noch nach 40 Jahren

Hessisches Landessozialgericht (Az.: L 4 VG 6/07)

Manfred Mandelbaum - Jahrgang 1950 - muss seit den sechziger Jahren mit einem Trauma leben. In einem Internat ist er als Kind sexuell missbraucht worden - von seinem Heimerzieher. Als Jugendlicher hat er deshalb mit schweren psychischen Störungen zu kämpfen.

MDR
24. September 2008