Montag, 5. Januar 2009

Kindesunwohl

5. Januar 2009
Verein kämpft mit Jugendämtern gegen Kindeswohl

„Ich würde gern den Vorsitz übernehmen“, sagt Heinz-Peter Tjaden aus Wilhelmshaven, der sich als Redakteur seit über einem Jahr mit Jugendämtern, Familiengerichten, Kinderheimen, Aufsichtsbehörden für den Kinder- und Jugendschutz und mit Kinderheimen beschäftigt. Geplant ist die Gründung eines Vereins „Kindesunwohl“. Das Vereinsziel lautet: Unterstützung von Behörden und von Gerichten, die Eltern ins Leere laufen lassen, wenn diese aus unerfindlichen Gründen meinen, sich selbst um ihren Nachwuchs kümmern zu müssen.

„So geht das nicht“, ist sich der 59-Jährige zumindest mit den Jugendämtern in Mönchengladbach und Stuttgart einig. „Doch es werden noch viel mehr sein“, hofft der Redakteur.

Einmal im Jahr soll die hartnäckigste Behörde oder das hartnäckigste Familiengericht mit dem Kindesunwohl-Preis ausgezeichnet werden. Gut im Rennen liegen zurzeit die Mönchengladbacher, denn die sorgen dafür, dass eine Elfjährige seit über vier Jahren in einem Kinderheim lebt und auch mit solchen Äußerungen kein Gehör findet: „Ich finde es doof, dass mich nicht jeder besuchen darf, der mich gern besuchen möchte.“

„Wo kämen wir denn hin, wenn solche Heimkinder wie Jessica Müller dabei bleiben, dass sie lieber wieder zuhause wären? Der Staat würde doch jede Kontrolle über die wichtigste Investition in die Zukunft verlieren“, unterstützt der potenzielle Vereinsvorsitzende das Jugendamt, das dermaßen idyllisch am Niederrhein herumliegt wie auch das Schloss Dilborn, das Jessica beherbergt, nicht schöner gelegen sein könnte.

Allerdings sind die Kindesunwohl-Würfel noch lange nicht gefallen, zumal bis zum 31. Oktober 2009 auch noch andere Vorschläge gemacht werden können. Ernst zu nehmende Konkurrenz bekommen die Mönchengladbacher aus Stuttgart. Das dort beheimatete Jugendamt hat für eine inzwischen Einjährige Pflegeeltern gefunden. Nina entwickelt sich zwar nicht so, wie sich ein Mädchen in ihrem Alter entwickeln sollte, aber: „Das wird schon“ - sagt Heinz-Peter Tjaden.

Für die Entscheidung über den würdigsten Preisträger soll ein Punktesystem entwickelt werden. Der Redakteur aus Wilhelmshaven nennt ein Beispiel: Behörden, die auf Beschwerden von Eltern gar nicht reagieren, bekommen fünf Punkte, Behörden, die zwar antworten, aber alles ablehnen, bekommen vier Punkte, Behörden, die zwar antworten, aber nicht mehr als Besuchsrecht zulassen, bekommen drei Punkte, Behörden, die antworten und sogar eine Zeitlang mit dem Gedanken spielen, Kinder wieder zu ihren Eltern zu schicken, dies aber bleiben lassen, bekommen zwei Punkte, Behörden, die Kinder und Eltern wieder zusammenführen, bekommen einen Punkt.

Vereinsmitglied kann jede natürlich und juristische Person werden, die unbeirrt dabei bleibt: „Kindeswohl? Mit uns nicht!“

Mitgliederliste (Stand 5. Januar 2009, 12.20 Uhr)

Petra Litzenburger
Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V.

Hermine Schneider
Heimkinderverband Deutschland, Aachen

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1 Kommentar:

Monika Armand hat gesagt…

Eine tolle Idee! Sie haben noch vergessen zu erwähnen, dass Kinderheime gerne auch Prämien an engagierte "Kindesunwohl-Mitglieder" bezahlen.

Neben Punkten kann also auch bares Geld gesammelt werden. Die Prämien werden jährlich ausgezahlt und wurden - dank der seit diesem Jahr gültigen höheren Tagessätze für Heime auch noch erhöht.

Verfahrenspfleger, welche ihren Job gut machen, werden anteilig entlohnt....

In Deutschland ist dieses Prämiensystem einzigartig.... dank der qualitätssichernden "Kindesunwohlsselbstkontrolle"....

FAZIT:
(Finanzielle) Anerkennung bei möglichst geringem Aufwand kann der Verein jetzt schon garantieren.