Freitag, 18. Mai 2018

Heimnachrichten 2018

Er weint nicht mehr wegen seiner Kindheit

Bis vor einigen Jahren hätte Wolfgang Schulz nicht in diesem Café sitzen und über seine Vergangenheit reden können – ohne zu weinen. Er hat einen Roman mit autobiografischen Zügen verfasst. Unter anderem auch über seine Zeit im Kinderheim. "Man kann es zuklappen, das Buch", sagt er, "und dann ist da ein gewisser Abstand zwischen dem, was war, und dem, der man ist." Der 73-Jährige kann jetzt wieder reingehen in die Erinnerung, kann sich als neunjährigen Jungen sehen, der im Jahre 1954 ins Kinderheim nach Korntal bei Stuttgart kam.

Focus online, 9. Januar 2018

Versuchskaninchen der Pharma-Industrie

Niedersachsen lässt Medizinversuche an Heimkindern in den Nachkriegs­jahrzehnten, die der Pharmaindustrie gedient haben sollen, wissenschaftlich unter­suchen. Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen, teilte das Sozialministerium in Hannover heute mit. Untersucht werden soll insbesondere, ob und wie durch solche Versuche gegen ethische und rechtliche Vorgaben verstoßen wurde und in welchem Umfang die betroffenen Kinder darunter gelitten haben und Schäden davontrugen.

Ärzteblatt, 15. Januar 2018

Noch schlimmere Experimente in Hessen

In hessischen Kinderheimen sind in früheren Jahrzehnten offenbar nicht nur Medikamente erprobt worden. Es hat wohl auch noch schlimmere medizinische Eingriffe gegeben. Das haben Recherchen der Wiesbadener Filmemacherin Sonja Toepfer zutage gefördert, die im Auftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau das Leiden der Kinder in Kinderheimen aufarbeitet.

Frankfurter Rundschau, 12. Februar 2018


Betrüger im Kinderheim


Der Vize-Direktor des erzbischöflichen Kinderheims

Haus Nazareth in Sigmaringen soll die Einrichtung

betrogen haben. Er ist zurückgetreten. Laut Sprecher

des Erzbistums Freiburg geht es um Personal- und

Finanzthemen.
Schwarzwälder Bote, 19. Februar 2018

Gewalt und Angst im Cassianeum

Strenge Regeln, Drohungen, Gewalt und ein permanentes 

Klima der Angst bestimmten über Jahre das Leben von 
Kindern, die in einem Donauwörther 
Kinderheim eigentlich Schutz und Geborgenheit finden 
sollten. Das "Cassianeum" wurde bereits 1977 geschlossen 
– doch in diesen Tagen schlagen die über 40 Jahre 
alten Misshandlungen rund um den früheren 
katholichen Pfarrer und Leiter des Kinderheims, 
Max Auer, hohe Wellen. Der Grund: Das Bistum Augsburg weiß 
bereits seit mehreren Jahren von den Vorkommnissen im 
ehemaligen Kloster Heilig Kreuz. Die Öffentlichkeit 
erfuhr jedoch erst davon, als sich jüngst zwei betroffene 
Schwestern an Medien wandten. Nach einem Bericht des 
Bayerischen Rundfunks in der vergangenen Woche melden 
sich nun immer mehr ehemalige Heimbewohner.

Augsburger Allgemeine, 27. Februar 2018

Drei Heime geschlossen

"Wenn Verfehlungen passieren, müssen diese umgehend, 
umfassend und mit voller Konsequenz aufgearbeitet werden", 
betonte Landesrat Franz Schnabl (SPÖ) in einer Pressekonferenz 
in St. Pölten. Laut Otto Huber, Leiter der Gruppe 
Gesundheit und Soziales, bezogen sich die "gravierenden 
Missstände" in den betroffenen Einrichtungen unter anderem 
auf die personelle Unterbesetzung, zudem habe die Qualifikation 
der Mitarbeiter nicht den Vorgaben entsprochen.
Die Gegenleistung des Trägers für die finanziellen Mittel des Landes 
habe "nicht gepasst". Außerdem sollen Minderjährige physischer 
und psychischer Gewalt ausgesetzt worden sein.

Kleine Zeitung, 8. März 2018

Heimkinder wollen mehr als nur Geld

Die ersten Betroffenen erhalten Geld für den erlittenen Missbrauch 
in den Einrichtungen der Korntaler Brüdergemeinde – zwischen 
5000 und 20000 Euro. Die ehemaligen Heimkinder stellt das 
nicht zufrieden. Sie wollen ein dauerhaftes Zeichen.

Stuttgarter Zeitung, 20. April 2018.

Neue Vorwürfe

Nach neuen Berichten über Kindesmisshandlungen in einem 
ehemaligen Kinderheim in Nordschwaben will das Bistum 
Augsburg die Vorfälle im Detail aufklären. Bischof Konrad 
Zdarsa habe deswegen einen ehemaligen bayerischen 
Spitzenjuristen mit der Koordinierung der Aufarbeitung 
beauftragt, teilte die Diözese am Mittwoch mit.

RTL, 25. April 2018

"Nimm deine Sachen"

"Irgendwann kam der Mann vom Jugendamt und sagt: Nimm deine 
Sachen, du fährst jetzt mit. Sind wir, glaub' ich, 200 Kilometer 
gefahren, ist ja zwei Stunden von hier weg gewesen. Ja. Schöner 
Anhänger mit den ganzen Sachen, irgendwelche Schränke, 
Klamotten alles, wo auch immer die herkamen... Ich war neun 
oder sieben Jahre alt. Man wusste nicht, wer ist das Jugendamt, 
was sind das für Leute. Man wurde einfach mitgenommen, 
hat mal kurz, wie man so sagt, ne neue Familie dahin 
gestellt gekriegt."

Deutschlandfunk, 13. Mai 2018


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